Deutscher Gewerkschaftsbund

19.05.2021

Wie sich der Mindestlohn auf den Gender Pay Gap auswirkt

In Sachen Mindestlohn hagelte es harsche Kritik, viele Befürchtungen wurden laut. Nun stellt sich heraus: Er kostet keine Arbeitsplätze, er schafft sie sogar! Zudem wirkt sich der Mindestlohn auch auf die Verringerung Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aus. Wir erklären die Zusammenhänge.

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Zu Beginn des Jahres 2015 wurde in Deutschland endlich ein Mindestlohn eingeführt. Seitdem wurde dieser Betrag schrittweise angehoben: Zum 1. Januar 2021 ist der gesetzliche Mindestlohn auf 9,50 Euro, festgelegt wurde auch bereits, dass er bis zum 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro steigt.

Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns, für den der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften lange gekämpft haben, wurde auch vom Unmut der Wirtschaft begleitet - inklusive der Drohung, Arbeitsplätze würden durch den nun zu bezahlenden Mindestlohn gefährdet. Letzteres hat sich bislang nicht bewahrheitet. Aber welche Auswirkungen hat der Mindestlohn speziell auf Frauen?

Mindestens 9,50 € - für alle! - Oder doch nicht?

Vorab ist anzumerken, dass auch heute noch Ausnahmen gelten. Der Mindestlohn gilt nicht für Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Auszubildende – unabhängig von ihrem Alter – im Rahmen der Berufsausbildung, Langzeitarbeitslose während der ersten sechs Monate ihrer Beschäftigung nach Beendigung der Arbeitslosigkeit und auch nicht für Praktikant*innen, die entweder ein Pflichtpraktikum im Rahmen ihres Studiums oder die ein freiwilliges Praktikum von einer Dauer unter drei Monaten absolvieren (mehr Infos zu den Ausnahmen findet ihr hier).

Effekte auf die wirtschaftliche Unabhängigkeit

Die Gewerkschaften kritisieren, dass es immer noch so viele Ausnahmen gibt. Dennoch: der Mindetslohn hat einen positiven Effekt auf die Einkommensstruktur von Frauen und Männern. Letztlich wird dadurch auch die geschlechtsspezifische Lohnlücke, der Gender Pay Gap, verringert. Der Hauptgrund: Da Frauen häufiger als Männer im Niedriglohnsektor beschäftigt sind, profitieren sie vom Mindestlohn auch stärker. Der Mindestlohn hilft demnach vor allem Menschen in sehr niedrig bezahlten Beschäftigungsverhältnissen. Da diese Tätigkeiten zum großen Teil Frauen übernehmen, ist der Mindestlohn gerade für sie eine gute Unterstützung auf dem Weg zu ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit!

Doch der Mindestlohn hat auch einen anderen positiven Effekt - besonders für Frauen. Bessere Löhne und somit bessere Qualität in Pflege und anderen Dienstleistungen können nämlich dazu führen, dass v. a. Frauen bei der Care-Arbeit entlastet werden, die sie zur Zeit noch überwiegend übernehmen: Frauen durchschnittlich täglich 52,4 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Umgerechnet sind das 87 Minuten Unterschied. Eine gute Bezahlung für Erzieher*innen oder Reinigungskräfte kann also auch mit sich bringen, dass mehr Menschen diese Jobs ausüben werden - und dass dadurch in erster Linie Frauen entlastet werden. Letztlich sollte das Ziel aber natürlich sein, dass Männer und Frauen gleich viel bezahlte und unbezahlte Arbeit verrichten!

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Vom Mindestlohn haben Frauen also doppelt etwas. Dennoch haben der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften Kritik am aktuellen Mindestlohn - nicht am Konzept an sich, vielmehr spielt die Höhe des Mindestlohns eine Rolle. Wer (in Vollzeit) arbeitet, muss davon auch gut leben können. Auch vor Altersarmut schützt der Mindestlohn (noch) nicht. Daher plädieren die Gewerkschaften für eine weitere Anhebung auf vorerst 12 Euro. Weitere Infos dazu findet ihr hier.

 

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