Deutscher Gewerkschaftsbund

Die 10 unattraktivsten Ausbildungen & die Gründe dafür

Mehr und mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Dabei stechen 10 Branchen hervor, an denen künftige Auszubildende scheinbar kein (großes) Interesse haben. Warum? In welchen Ausbildungsberufen dies besonders auffällig ist, wo die Gründe dafür liegen und wie es hier für junge Frauen aussieht - der DGB ist der Problematik 2016 in einer Studie nachgegangen. Bis heute hat sich daran wenig geändert.

Hände formen Brötchen in Bäckerei

DGB/Racorn/123rf.com

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze steigt - das zeigt auch eine DGB-Expertise von 2016. Etwa 40.000 Stellen blieben 2016 ohne Auszubildende, obwohl ca. doppelt so viele junge Menschen einen Ausbildungsplatz suchen. Warum bleiben Stellen frei, obwohl es Ausbildungsinteressierte gibt? Und warum hat sich daran seitdem nicht wirklich etwas geändert?

Längst nicht alle Branchen kämpfen mit Unterbesetzung. Wie bereits zum Zeitpunkt der DGB-Veröffentlichung waren 2020 vor allem Berufe in der Gastronomie, im Lebensmittelhandwerk und im Reinigungsgewerbe von Besetzungsproblemen betroffen (d. h., dass hier die Zahl der nicht besetzten AUsbildungsplätze besonders hoch ist). Versorgungsprobleme traten 2020 oftmals in Medienberufen und in Teilen des kaufmännischen Bereichs auf (erfolglose Nachfrage nach einem Ausbildungsplatz).

In einer Expertise des DGB (April 2016) werden die Ausbildungsberufe genauer angeschaut: Wie hoch ist die Abbruchsquote? Wie hoch ist die Misserfolgsquote bei den Prüfungen? Wie schneiden die Berufe bei den Befragungen von Auszubildenden im Ausbildungsreport der DGB-Jugend ab?

Berufe mit einem hohen Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen am betrieblichen Gesamtangebot

(Zahlen für 2016)

DURCHSCHNITT

7,5 %

Berufsbezeichnung

unbesetzte Ausbildungsplätze

Restaurantfachkraft

35,2 %

Fleischer_in

35,1 %

Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk

33,0 %

Klempner_in

30,6 %

Fachkraft für Systemgastronomie

29,8 %

Bäcker_in

27,2 %

Gerüstbauer_in

22,0 %

Tierwirt_in

21,3 %

Gebäudereiniger_in

20,9 %

Köch_in

20,4 %

Quelle: eigene Darstellung; Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Erhebung zum 30. September 2015, Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA)

Hohe Abbruchquoten in den ohnehin schon weniger beliebten Ausbildungsberufen

Im Jahr 2018 wurden bundesweit 151.665 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst, dies entspricht einer Quote von 26,5 Prozent (Berufsbildungsbericht 2020). Je nach Ausbildungsberuf fallen die Abbruchsquoten sehr unterschiedlich aus. Bei Auszubildenden, die Köchin*Koch, Restaurantfachkraft oder Friseur*in werden wollen, hört sogar etwa jede*r Zweite vor der Abschlussprüfung auf. Halten die Azubis ihre Ausbildung in diesen Berufen durch, ist die Prüfung die nächste hohe Hürde. Fallen im Durchschnitt nur 7,6 Prozent der Azubis bei der Prüfung durch, liegt diese Quote in diesen Berufen vielfach doppelt so hoch (z. B. Gebäudeereiniger_in bei 20,6 Prozent).

Wie zufrieden sind die Auszubildenden?

Im Ausbildungsreport befragt die DGB-Jugend jährlich die Azubis nach ihrer Zufriedenheit mit der Qualität der Ausbildung. Auch hier landen Ausbildungsberufe wie die der Köch*innen, Verkäufer*innen oder Hotelfachfrau*mann seit Jahren konstant und konsequent am unteren Ende der Skala.

Wo liegen also die Gründe und was muss dagegen getan werden?

„Der Azubi-Mangel in einigen Branchen ist hausgemacht. Unternehmen, die junge Menschen als billige Arbeitskräfte ausnutzen, dürfen sich nicht wundern, wenn sich niemand mehr bewirbt.",  so die stellvertretende Vorsitzende des DGB, Elke Hannack. Oft berichten junge Auszubildende davon, dass sie Aufgaben übernehmen, die nicht im Ausbildungsumfang enthalten sind. Machen solch schlechte Erfahrungen die Runde, ist es nicht verwunderlich, dass potenziell interessierte Jugendliche lieber einen anderen Ausbildungsplatz oder -beruf wählen.

Denn: "Vielmehr muss die Ausbildung in den Betrieben besser gemacht werden, sonst machen die jungen Menschen weiterhin zurecht einen Bogen um diese Berufe. Wenn Betriebe attraktiv sein wollen, müssen sie ihre Auszubildenden besser bezahlen, die Qualität der Ausbildung verbessern, mehr Auszubildende übernehmen und die Ausbildungsbedingungen erheblich verbessern.“ Die Bundesregierung müsse jetzt handeln, so Hannack und eine Qualifizierung des betrieblichen Ausbilder verbindlich vorschreiben. Weitere Informationen zu den einzelnen Forderungen findet ihr z. B. auf den Seiten der DGB Jugend.

Gibt es bei Azubis überhaupt Unterschiede zwischen Frauen und Männern?

Ja! Und das fängt schon damit an, für welche Ausbildungen sich junge Frauen und Männer nach ihrem Schulabschluss entscheiden (können): „Junge Frauen haben in aller Regel bessere Schulabschlüsse, aber ihr Bildungsvorsprung geht schnell verloren, wenn es um Beruf und Karriere geht. Geschlechtsstereotype beeinflussen Berufswahl und Ausbildungswege. Schon in der Berufsausbildung zeichnet sich eine Lücke bei der Vergütung ab, wenn es um typische Frauen- oder Männerberufe geht. Die Tatsache, dass junge Frauen tendenziell bessere Abschlüsse machen, wird also nicht entsprechend in Ausbildungs- und Arbeitskarrieren umgesetzt. „In der Berufsorientierung müssen Rollenklischees aufgebrochen und die gesamten Talente der jungen Menschen gefördert werden.“

Einen Anfang bietet hier z. B. der Girls' Day - der Tag, an dem Schülerinnen Berufe in Betrieben und Verwaltungsstellen kennenlernen können, in denen bisher nicht viele Frauen tätig sind (equivalent gibt es den Boys' Day, an dem Schüler in für Männer bisher eher untypische Berufsfelder hinenschnuppern können).

Du spielst mit dem Gedanken an einen Beruf in Mathe, Naturwissenschaften, etwas Technischem oder willst Ingenieurin werden? Schau doch mal bei der Initiative Klischeefrei vorbei. Hier sammeln sich viele Projekte und Initiativen, die Jugendliche ermuntern, gängige Rollenklischees kritisch zu hinterfragen. Ganz nach dem Motto: „Komm, mach MINT!“.

Mehr Infos zu Ausbildungen hier entlang!

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