Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung in Schule oder Betrieb? Das musst du beachten

Du hast dich für eine Berufsausbildung entschieden und stehst vor der Wahl: Betrieblich oder schulisch? Hier erfährst du mehr über die Ausbildungsarten.

Junge Arbeiterin in einer Fabrik

DGB/Katarzyna Białasiewicz/123rf.com

Du hast dich dafür entschieden, eine Ausbildung zu machen – gute Wahl! Wie sich die nächsten Jahre für dich gestalten, bestimmen sowohl die von dir gewählte Ausbildungrichtung, als auch das jeweilige Ausbildungssystem: dual – also betriebliche Praxis in Verbindung mit dem Besuch einer Berufsschule – oder eine schulische Ausbildung in Vollzeit. Wir erklären die Unterschiede und was das für deine (finanzielle) Zukunft bedeutet.

Die betriebliche / duale Ausbildung

Absolvierst du eine betriebliche oder auch duale Ausbildung, wechseln sich Theorie und Praxis ab. Das bedeutet: Du arbeitest in einem Ausbildungsbetrieb und besuchst zusätzlich die Berufsschule. Du schließt mit deinem Ausbildungsbetrieb einen Berufsausbildungsvertrag ab. Das duale Ausbildungssystem ist vor allem deshalb sehr beliebt, da du von Anfang an praktische Erfahrungen sammelst, statt nur die Schulbank zu drücken – und dafür wirst du auch entsprechend entlohnt. Je nach Ausbildungsberuf fällt diese Vergütung unterschiedlich hoch aus. Als Daumenregel gilt: Die Höhe der Vergütung beträgt durchschnittlich etwa ein Drittel des Anfangsgehalts für eine ausgebildete Fachkraft. Außerdem steigt dein Ausbildungsgehalt mit jedem Ausbildungsjahr.

Fun Fact: Das Konzept der beruflichen Ausbildung im dualen System ist übrigens auch ein internationaler „Kassenschlager“. Nicht in allen Ländern gibt es duale Ausbildungsmöglichkeiten – obwohl Daten zur Jugendarbeitslosigkeit zeigen, dass sie wesentlicher Erfolgsfaktor für einen reibungslosen Übergang in das Arbeitsleben sind. Die Kultusminister*innenkonferenz beteiligt sich daher im Rahmen der Internationalen Berufsbildungskooperation an Konzepten zum Transfer dieses Ausbildungsprinzips. 

Die (vollzeit-)schulische Ausbildung

Neben der betrieblichen Ausbildung gibt es auch die Möglichkeit, sich für eine schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule zu entscheiden. Sie findet dann in Form von Vollzeitunterricht statt, deshalb wird sie auch vollzeitschulische Ausbildung genannt. Eine schulische Ausbildung kannst du an öffentlichen oder privaten Berufsfachschulen absolvieren.

Und die Praxis? Eine vollzeitschulische Ausbildung heißt noch lange nicht, dass du ohne praktischen Erfahrungen in deinen Berufsalltags startest. Um dafür zu sorgen, dass die Ausbildung praxisnah abläuft, finden regelmäßig betriebliche Praktika statt, damit du dein theoretisches Wissen anwenden kannst. Diese Praktika finden oft blockweise statt oder werden in den Berufsschulalltag integriert. Wer sich für eine schulische Berufsausbildung entscheidet, der muss ähnlich wie bei einem Studium auf ein Gehalt verzichten oder sogar eine Schulgebühr bezahlen.

Deine Ausbildungsvergütung

Wie oben schon angesprochen, wirst du während deiner dualen Ausbildung von deinem Ausbildungsbetrieb entlohnt. Schulische Ausbildungen sind häufig im sozialen Bereich angesiedelt und bilden für Gesundheits-, Sozial- und Pflege-, aber auch Technische Berufe aus. Frauen und Mädchen sind hier deutlich in der Überzahl: Im Gesundheitswesen sind fast 80% aller Auszubildenden in schulischer Ausbildung weiblich (Pimminger 2012).

Schulische Ausbildungen sind im Gegensatz zu den dualen Ausbildungen nicht vergütet und sogar zum Teil schulgeldpflichtig. Das heißt, während deiner Ausbildung an einer speziellen Schule verdienst du kein eigenes Geld und musst über Möglichkeiten der finanziellen Unerstützung nachdenken. Die gängigste Form der finanziellen Unterstützung sind die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) und BAföG – darauf hat allerdings nicht jede*r Anspruch. Dass das unfair ist, findet auch die DGB Jugend, wo du einige Forderungen für die Verbesserung des BAföG findest.

Achtung! Es kann auch passieren, dass dir die Zeit, in der du die schulische Ausbildung absolvierst, nicht als Erwerbstätigkeit angerechnet wird und sie dadurch nicht in deine Rentenbezüge eingeht.

Die Weichen kannst du jetzt stellen

Weil Frauen sich viel häufiger für eine (unbezahlte) schulische Ausbildung entscheiden, entsteht also schon Einkommensgefälle.

Die Wahl zwischen dualer und schulischer Ausbildung sollte also keineswegs leichtfertig getroffen werden – es lohnt sich, langfristige Auswirkungen genauer unter die Lupe zu nehmen und traditionelle Rollenbilder zu überdenken. Letztlich sollten wir uns für genau die Ausbildung entscheiden, die unseren Interessen entspricht. Ganz egal, ob du als junge Frau einen vermeindlich typischen Männerberuf erlernen willst oder als junger Mann in die Altenpflege oder in KiTas arbeiten möchtest (beides Berufe, in denen derzeit noch überwiegend Frauen beschäftigt sind). Wir sollten uns frei machen von Rollenklischees und uns gut informieren, was wir wollen und wie der Weg dahin aussieht. So kannst du eventuellen Stolpersteinen bewusst aus dem Weg gehen und deine Ausbildungszeit in vollen Zügen genießen! Unterstützung im Arbeitsleben und weitere Informationen zu Ausbildungen und Vergütung erhältst du natürlich bei deiner Gewerkschaft und der DGB Jugend.

Weitere Informationen: