Deutscher Gewerkschaftsbund

09.02.2021

Befristung im Job - was du wissen solltest

Im Jahr 2019 war in Deutschland knapp jede zweite Neueinstellung (45%) befristet. Besonders betroffen sind Frauen und junge Menschen sowie Beschäftigte in Teilzeit oder ohne deutschen Pass. Diese Form der atypischen und prekären Beschäftigung prägt also vor allem die ersten Erwerbsjahre – und setzt der eigenen wirtschaftlichen Unabhängigkeit Grenzen! Was du über Befristungen wissen solltest, erklären wir hier:

drei (junge) Menschen im Büro, vor PC

DGB/Arlington Research für Unsplash

Was bedeutet „Befristung“?

Dein Arbeitsverhältnis und deine Anstellung sind befristet, wenn in deinem Arbeitsvertrag ein „Austrittsdatum“ oder Ende der Beschäftigung mit einem Datum angegeben ist. Das bedeutet, dass das Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Datum ohne Kündigung endet. Darüber hinaus kann dein Vertrag zweckgebunden befristet sein, wie z. B. als Elternzeit- oder Krankheitsvertretung. Warum eine Stelle begründet nur befristet besetzt werden kann, steht im Teilzeit- und Befristungsgesetz (kurz: TzBfG).

Sachgrundlose Befristung vs. Sachgrundbefristung

Ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes ist die Befristung mit kalendarisch festgelegtem „Austrittsdatum“ bis zur Dauer von maximal zwei Jahre zulässig. Außerdem ist eine sachgrundlose Befristung nur zulässig, wenn der*die Arbeitnehmer*in zuvor nicht schon einmal bei dem*derselben Arbeitgeber*in beschäftigt war. Übrigens: Die Zahl der Befristungen ohne sachlichen Grund hat sich zwischen 2001 und 2018 mehr als verdreifacht – von rund 550 000 auf 1,8 Millionen.

Befristungen mit Sachgrund sind z. B. eine Elternzeit- oder Krankheitsvertretung oder auch projektbezogene Aufgaben, die eine bestimmte Laufzeit haben (weitere Gründe sind in §14 Abs. 1 TzBfG festgelegt). Gibt es einen Sachgrund, kann die Befristung auch zwei Jahre übersteigen.

Wenn deine Befristung kalendarisch beschrieben ist, darf sie insgesamt maximal zwei Jahre andauern und darf in dieser Zeit höchstens drei Mal verlängert werden.

Wer ist betroffen?

Von den Beschäftigten zwischen 25 und 30 Jahren, arbeiten 15,7 Prozent mit einem befristeten Vertrag. Bei 54,9 Prozent der Frauen (alle Altersstufen) mit befristeten Arbeitsverträgen beträgt die Dauer der Befristung weniger als ein Jahr.

Ab einem Alter von 35 nimmt der Anteil befristeter Beschäftigter deutlich ab. Die 35 bis 44-Järhigen sind nur noch zu 7,2 Prozent befristet beschäftigt, noch geringer wird der Anteil, je älter die untersuchte Gruppe ist. Zu beachten ist hier, dass dies eine punktuelle Erhebung ist. Beschäftigte verschiedener Altersgruppen wurden zu einem bestimmten Zeitpunkt zu ihren Beschäftigungsverhältnissen befragt. Wie sich Befristungen also im Verlauf des jeweiligen Erwerbsleben gestalten, geben diese Zahlen nicht wider.

Was heißt Befristung für mich im Erwerbsleben?

Grundsätzlich ist dein Risiko arbeitslos zu werden, deutlich höher, wenn dein Arbeitsvertrag automatisch endet, also befristet ist. Zwischen 10 und 15 Prozent der befristet Beschäftigten sind ein Jahr später arbeitslos oder ohne Beschäftigung. Beachte auch, dass sich Befristungen im Arbeitsvertrag auch auf andere Lebensbereiche auswirken können: Bei Wohnungsanmietungen oder Kreditaufnahme schrecken viele Akteur*innen vor befristet beschäftigten Antragsteller*innen zurück. Darüber, dass das unfair ist, sind wir uns wahrscheinlich einig!

Zudem deuten Untersuchungen darauf hin, dass befristet Beschäftigte auch niedrigere Löhne aufweisen als Festangestellte. Darüber hinaus sind auch psychische Auswirkungen, die eine unsichere Beschäftigung mit sich bringt, nicht zu unterschätzen. Als befristet Beschäftigte in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu wechseln ist 40 Prozent geringer, als von unbefristetem Vertrag zu unbefristeten Vertrag.

Schwanger und befristet – was tun?

Als Schwangere genießt du besonderen Kündigungsschutz, der im Mutterschutzgesetz (MuschG) geregelt ist. Auch schwangere Arbeitnehmer*innen mit einem befristeten Arbeitsvertrag stehen unter dem gesetzlichen Mutterschutz. Eine Kündigung (auch befristeter Arbeitnehmer*innen) während der Schwangerschaft ist damit nicht möglich. Jedoch wird dein befristeter Arbeitsvertrag nicht automatisch verlängert, weil du schwanger bist. Er endet trotz Schwangerschaft zum im Vertrag festgelegten Zeitpunkt. Du kannst also auch während deiner befristeten Anstellung Elternzeit nehmen - allerdings endet die Elternzeit an dem Tag, an dem dein befristeter Vertrag endet.

Wenn dein Vertrag während deiner Schwangerschaft ausläuft, solltest du dir erst recht die Frage stellen, ob die Befristung rechtmäßig ist. Einige Eckdaten liefert hier der DGB Rechtsschutz, aber auch deine Gewerkschaft kann dich bei (rechtlichen) Fragen beraten. Gewerkschaften leisten für dich als Mitglied Rechtsberatung und bieten dir Rechtsschutz. Denn: Du hast nur drei Wochen nach Auslaufdatum die Möglichkeit, gegen die Befristung vorzugehen.

Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte – was können Interessenvertretungen tun?

Als befristet Beschäftigte*r kannst du dich mit deinen Bedenken an deinen Betriebs- oder Personalrat wenden. Als Interessenvertretung der Beschäftigten haben diese Gremien einige Möglichkeiten bei Befristungen zu handeln:

Überwachungs-/Unterrichtungs- und Informationsrechte

  • Überwachungs- und Informationsrecht gemäß § 80 BetrVG
  • Informationsrecht gemäß § 20 TzBfG
  • Diskriminierungsverbot, § 4 II TzBfG
  • Benachteiligungsverbot, § 5 TzBfG
  • Informationspflicht, § 18 TzBfG
  • Aus- und Weiterbildung, § 19 TzBfG
  • Grundsätze der Behandlung von Betriebsangehörigen, § 75 BetrVG

Beratungs- und Mitbestimmungsrechte

  • Mitbestimmung bei Einstellungen, § 99 BetrVG
  • Mitbestimmung durch Auswahlrichtlinien, § 95 BetrVG
  • Mitbestimmung bei Personalplanung, § 92 BetrVG
  • Beratung zur Beschäftigungssicherung, § 92a BetrVG
  • Keine Anhörung gemäß § 102 BetrVG

Ähnliche Handlungsfelder können Personalräte bedienen. Auch hier sind z. B. sachgrundlose Befristungen immer häufiger Thema.

Weitere Informationen findest du z. B.