Deutscher Gewerkschaftsbund

Was Leiharbeit (auch: Zeitarbeit) bedeutet

Leiharbeit ist für viele Frauen alltägliche Praxis: Etwa ein Drittel aller Beschäftigten in Zeitarbeit sind Frauen. Was es mit Leih- und Zeitarbeit auf sich hat? Hier die wichtigsten Fakten:

Grafik zeigt viele Mitarbeiter in Fleischfabrik am Fließband

DGB/Artisticco LLC/123rf.com

Was ist Leiharbeit (auch: Zeitarbeit /Arbeitnehmer*innenüberlassung)?

Leiharbeit und Zeitarbeit bezeichnen die gleiche Form von Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt. Du hast zwar einen Arbeitsvertrag mit Arbeitgeber*in A (Verleiher*in genannt), tätig wirst du allerdings bei Arbeitgeber*in B, der*dem sogenannten Entleiher*in. Diese Form der Beschäftigung dient z. B. dazu, dass Auftragsspitzen durch zusätzliche Arbeitskräfte abgefedert werden können.

Bezahlt wirst du von Arbeitgeber*in A, deinem Verleiher*in. Diese*r wiederum hat einen Vertrag mit B, der*dem Entleiher*in, dass diese*r B deine Arbeitskraft ausleiht und im Gegenzug dafür von B bezahlt wird. Dein*e Verleiher*in bekommt natürlich mehr vom*von der Entleiher*in, als dir letztendlich ausbezahlt wird, um an dieser Beschäftigungsform, der Leiharbeit, zu verdienen.

Du wiederum bist durch den Vertrag an A gebunden, deine*n Verleiher*in. Alles, was also Urlaubsanspruch, Vergütung, Regelungenn im Krankheitsfall, Kündigungsfristen etc. angeht, regelt der Arbeitsvertrag mit deiner*m Verleiher*in. Dein*e Entleiher*in, Arbeitgeber*in B, verfügt durch die Leiharbeit über das sogenannte Weisungsrecht, d.h. er oder sie bestimmt deinen Aufgabenbereich an der Arbeitsstelle.

Juristisch oder politisch, also etwa in Gesetzen, wird auch von Arbeitnehmer*innenüberlassung (ANÜ) gesprochen.

Vereinfacht kann man sich das ungefähr so vorstellen:

Wie Leiharbeit bzw. Zeitarbeit funktioniert Was verdient die Frau?

Risiken

Nach europäischer Richtlinie müssen die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen von Leiharbeiter*innen denen von Festangestellten wesentlich entsprechen: „equal pay“ und „equal treatment“. In dieser Richtlinie findet sich jedoch auch eine Öffnungsklausel. Diese erlaubt Abweichungen von equal pay und equal treatment im Rahmen von Tarifverträgen, auch wenn sie Leiharbeitnehmer*innen schädigt oder benachteiligt. Außerdem sind viele Leiharbeiter*innen nur wenige Monate, also zu kurz, im Unternehmen beschäftigt, um Anspruch auf eine bessere Bezahlung zu bekommen. Leider ist dies nach deutschem Recht möglich und die Arbeitgeber*innen machen von dieser Möglichkeit rege Gebrauch. Inzwischen ist die Ausnahme leider eher zum Regelfall geworden.

Darüber hinaus ist die Regelung weggefallen, wie lange eine Person als Leiharbeitnehmer*in bei Betrieb X arbeiten darf. Das heißt, dass du womöglich dauerhaft in einem Betrieb arbeitest, aber dennoch als Leiharbeitnehmer*in gehandelt wirst.

Die Sache mit dem Geld

Die gleiche Arbeit erledigen wie die Kolleg*innen, aber weniger verdienen und weniger Urlaubsanspruch? Klingt unfair, ist aber eben leider traurige Realität in der Leiharbeitswelt. Leiharbeiter*innen verdienen im Schnitt ein Drittel weniger als ihre festangestellten Kolleg*innen. In besonders stark von Leiharbeit betroffenen Branchen – den Fertigungsberufen –  bis zu 46%. In diesen Berufen, z. B. in der Metall- und Elektrobranche, sind übrigens die Hälfte aller Zeitarbeitnehmer*innen tätig. Auch in den weiblich dominierten Branchen Gesundheit, Soziales, Erziehung verdienen Zeitarbeiter*innen im Schnitt weniger als ihre festangestellten Kolleg*innen.

Was heißt das für mich?

Leih- bzw. Zeitarbeit zählt zu den sogenannten prekären Beschäftigungsverhältnissen. Denn als Zeitarbeiter*in kannst du kurzzeitig eingesetzt werden und hast keinen Anspruch auf eine längerfristige Anstellung. Du kannst dementsprechend auch nicht bzw. schlecht langfristig planen, da du nicht absehen kannst, wie lange du bezahlt wirst. Rund die Hälfte aller Leiharbeitsverhältnisse dauern nur etwa drei Monate – Planbarkeit ist da nicht drin!

Daraus folgt:

Um eine für dich feststehende Zeit, zum Beispiel zwischen zwei Jobs, zu überbrücken, ist Zeitarbeit womöglich eine gute Lösung. Auf längere Sicht allerdings bietet dir Zeitarbeit wenig Perspektiven, da auch die Brückenfunktion von Zeitarbeit in eine feste Anstellung nicht belegt ist und auch die Einkommensverhältnisse schlechter sind als in der Festanstellung.

So fordern die Gewerkschaften:
 
  • Den Einsatz der Leiharbeiter*innen in einem Betrieb zeitlich zu begrenzen. Es kann nicht hingenommen werden, dass Leiharbeiter*innen dauerhaft und unbefristet in einem Betriebeingesetzt werden.
  • Nach einer bestimmten Dauer der Beschäftigung muss ein gesetzlicher Anspruchauf Festanstellung im Entleihunternehmen entstehen. Dies könnte eine Brücke aus dem Zeitarbeitsunternehmen in die Strukturen des Entleihunternehmens hinsichtlich Arbeitsentgelt und –bedingungen bauen. Allerdings besteht das Risiko, dass die Entleihbetriebe kurz vor Eintritt des Anspruchs den Zeitarbeitnehmer*innen abberufen und einen anderen Arbeitnehmer*innen entsenden. Dennoch werden die Gewerkschaften an dieser Forderung festhalten, vor allem vor dem Hintergrund, dass dadurch der dauerhafte Verleih aus eigenen Tochterunternehmen unterbunden werden kann.
  • Leiharbeitsbeschäftigte sollen bevorzugt berücksichtigt werden bei der Besetzung freier Arbeitsplätze im Entleihbetrieb.
  • Die Verleihunternehmen müssen mehr tun für die Weiterbildung der Beschäftigten. Dafür braucht es mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Betriebsräte in den Unternehmen.

Neuerungen ab 2021

Die DGB-Gewerkschaften haben einen Tarifabschluss für die rund 750.000 Beschäftigten der Leiharbeit erzielt. Mehr Infos, was das für Urlaub, Gehalt und Jahressonderzahlungen für Leiharbeiter*innen bedeutet, lest ihr hier.

Allgemeine Richtlinien

In der europäischen Leiharbeitsrichtline (Artikel 5 Abs. 1 Unterabs. 1 ) ist der Grundsatz festgeschrieben, dass die wesentlichen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der Leiharbeitnehmer*innen während der Dauer ihrer Überlassung an eine*n Entleiher*in mindestens denjenigen entsprechen müssen, die für sie gelten würden, wenn sie von der/vom Entleiher*in unmittelbar für den gleichen Arbeitsplatz eingestellt worden wären – das so genannte equal pay und equal treatment (§ 9 Nr. 2 und Nr. 2a AÜG). In der Leiharbeitsrichtlinie enthalten ist jedoch eine Öffnungsklausel (Artikel 5 Abs. 3), die Abweichungen vom Gleichbehandlungsgrundsatz zulasten der Leiharbeitnehmer in Tarifverträgen zulässt. Dies ist nach deutschem Recht (§ 9 Nr. 2 AÜG) möglich und hat dazu geführt, dass in Deutschland die Ausnahme zur Regel geworden ist.

Weitere Informationen: