Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung in Teilzeit - wie und wann du mit weniger Arbeitszeit deinen Beruf erlernen kannst

Kinder, zu pflegende Angehörige oder eine Behinderung - es gibt viele Gründe, die eine Ausbildung erschweren können. Aber wie ist eine 40-Stunden-Woche in Schule und Betrieb mit Kids oder einem pflegebedürftigen Familienmitglied unter einen Hut zu bekommen? Zum Beispiel, in dem die Ausbildung in Teilzeit gestaltet wird - damit mehr Zeit für die anderen Aufgaben bleibt! Hier gibt es allerdings auch einiges zu beachten:

2 Uhren im Sand am Strand

DGB/Usamedeniz/123rf.com

Ausbildung in Teilzeit - das geht?

Damit deiner Teilzeitausbildung zugestimmt wird, muss laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) ein „berechtigtes Interesse" vorliegen – du musst also mindestens eine dieser Bedingungen erfüllen:

  • Betreuung eigener Kinder
  • Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen, zum Beispiel der Eltern
  • Gesundheitliche Einschränkung oder Behinderung
  • Teilnahme am Leistungssport

Bekommt ein*e Auszubildende*r während der Ausbildung ein Kind oder muss plötzlich die erkrankte Mutter oder den pflegebedürftigen Opa pflegen, kann eine Vollzeitausbildung meist ohne Probleme durch einen Vertragszusatz in eine Teilzeitausbildung umgewandelt werden. Dies muss jedoch im gegenseitigen Einvernehmen, also nach Rücksprache mit dem Ausbildungsbetrieb, passieren. Eine Ausbildung in Teilzeit ist also nur möglich, wenn der Betrieb auch damit einverstanden ist. Es gibt weiterhin keinen Rechtsanspruch auf eine Teilzeitausbildung.

Außerdem darf die Kürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit nicht mehr als 50 Prozent betragen (Beispiel: Die tägliche Ausbildungszeit dauert statt 8 Stunden nur 4 Stunden, weniger als 4 Stunden ist aber nicht möglich, sonst wären über 50 Prozent gekürzt). Die Dauer der Ausbildung verlängert sich entsprechend (Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Die Gesamtausbildungszeit von 3 Jahren verlängert sich entsprechend um 50 %, also eineinhalb Jahre, sodass die Teilzeitausbildung in diesem Fall insgesamt viereinhalb Jahre dauert).

Meine Ausbildung ist nicht im BBiG geregelt - was gilt für mich?

Eventuell gibt es im jeweiligen Berufszulassungsgesetz bzw. den dazugehörigen Ausbildungs-(Studien-) und Prüfungsordnungen Regelungen zur Teilzeitausbildung. Eine generellere Aussage kann man da nicht treffen. Es kommt auf den jeweiligen Beruf bzw. die jeweilige Ausbildung an. Die DGB Jugend fordert übrigens, dass das BBiG ein Ausbildungsgesetz für alle werden soll - damit für alle Ausbildungsberufe die gleichen Standards gelten.

Und was ist mit meiner Ausbildungsvergütung?

Absolvierst du eine Ausbildung nach dem BBiG, erhältst du eine Ausbildungsvergütung. Zum 1. Januar 2020 wurde die Mindestausbildungsvergütung für alle neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge eingeführt. Mit dieser Gesetzesregelung geht auch einher, dass die Ausbildungsvergütung bei Teilzeitauszubildenden anteilig verkürzt wird (§ 17 BBiG). Dies sieht nicht nur die DGB Jugend sehr kritisch, da die Ausbildungsvergütung nicht als Arbeitsentgelt gesehen werden soll, sondern als Unterstützung, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Häufig reicht die Ausbildungsvergütung, insbesondere bei Kürzung, für den Lebensunterhalt nicht aus. Auszubildende können diverse staatliche Leistun­gen beantragen, um den eigenen Lebensunterhalt zu sichern. Mehr Informationen findest du zum Beispiel hier.

 

Wichtig: Da der Ausbildungsbetrieb bei einer Teilzeitausbildung die Vergütung entsprechend der wöchentlichen Arbeitszeit reduzieren darf, haben die Auszubildenden in der Regel einen Anspruch auf diverse finanzielle Hilfen der staatlichen Familienförderung, wie zum Beispiel Kindergeldzuschlag und Wohngeld! Auch bei eurer Gewerkschaft könnt ihr euch dazu beraten lassen.