Deutscher Gewerkschaftsbund

Selbstständigkeit: Solo oder nicht? 4 Fragen, die dir weiterhelfen

Seit den 1990ern steigt die Zahl der Selbstständigen in Deutschland stetig an. Grund hierfür ist fast ausschließlich der starke Anstieg der Soloselbstständigen, also derer, die eigenständig und ohne feste Anbindung an andere arbeiten. Wenn du mit dem Gedanken spielst, soloselbstständig zu werden oder es bereits bist, dann solltest du diese vier Faktoren beherzigen.

Junge Frau im Eingang von Fahrradgschäft

DGB/mavoimage/123rf.com

1. Was heißt Soloselbstständigkeit?

Soloselbstständige beschäftigen im Gegensatz zu Selbstständigen keine weiteren Mitarbeiter_innen, also nur sich selbst. Wie andere Selbstständige auch, tragen Soloselbstständige ihre Beiträge zur Krankenversicherung selbst und müssen eigenverantwortlich für ihre Rente vorsorgen.

Wenn du soloselbstständig bist, dann trägst du meist hohe unternehmerische Risiken, beispielsweise in der Gründungsphase, wenn du nur wenige Aufträge hast oder die Auftragslage stark schwankt. Doch was, wenn du kurz- oder langfristig krank wirst und keine Aufträge annehmen kannst? Als Angestellte_r bezahlt dich dein Arbeitgeber (bis zu einem gewissen Grad) weiter, als Selbstständige_r fehlt dir in dieser Zeit schlicht das Einkommen. Deshalb ist es für diesen und andere Fälle stets eine gute Sache, auf ein finanzielles Polster zurückgreifen zu können.

2. Vorsorge ist Trumpf! Reicht aber mein Einkommen als Soloselbstständige, um diese zusätzlichen Kosten zu stemmen?

Das verbreitete Vorurteil, dass Selbstständige weniger verdienen als abhängig Beschäftigte ist nicht korrekt. Stattdessen gibt es eine größere Spannbreite unter den Einkommen von Selbstständigen als unter den Einkommen von abhängig Beschäftigten. Das bedeutet, dass es unter Selbstständigen viele gibt, die erheblich mehr verdienen als ihre angestellten Kolleg_innen, aber auch viele, die erheblich weniger verdienen und vom Existenzminimum leben. Laut Berechnungen des DIW für das Jahr 2009 liegt der mittlere Stundenlohn von Soloselbstständigen mit 9,38 Euro unter dem von Angestellten in Höhe von 10,00 Euro. Bei Selbstständigen mit Angestellten ist das Gegenteil der Fall. Hier beträgt der mittlere Stundenlohn 12,35 Euro. Dies zeigt erneut das hohe Einkommensrisiko, von dem eher Soloselbstständige betroffen sind als Selbstständige mit Angestellten. Ob die Einkommen generell für die eigene Existenz im hier und jetzt sowie im Alter reichen, ist jedoch unklar.

3. (Schein-)Selbstständigkeit?

Wenn dir ein Arbeitgeber eine freiberufliche Mitarbeit oder eine Mitarbeit auf Honorarbasis anbietet, dir aber gleichzeitig umfassende Anweisungen und Pflichten auferlegt, dann darfst du dieser Tätigkeit durchaus skeptisch gegenüber stehen. Wenn du selbstständig bist, dann entscheidest allein du über deine Arbeit, also beispielsweise deine Arbeitszeiten und deinen Arbeitsort. Durch deine freiberufliche Mitarbeit spart dein Arbeitgeber jedoch auf illegale Weise Sozialversicherungsbeiträge, was durchaus lukrativ sein kann. Wenn du dir über deinen Status unsicher bist, dann kannst du dich von den Mitarbeiter_innen der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen.

4. Kann ich mich trotz Soloselbstständigkeit gewerkschaftlich organisieren?

JA! Die IG Metall und ver.di geben Soloselbstständigen die Möglichkeit, Mitglied zu werden. Bei einer Mitgliedschaft kannst du von umfassenden Beratungs- und Weiterbildungsangeboten profitieren und im Streit um Honorare, Statusfeststellung, etc. den Rechtsschutz in Anspruch nehmen.

 

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