Deutscher Gewerkschaftsbund

01.09.2016

Weniger arbeiten? So findest du deinen Weg in die Teilzeit

Nicht das Leben sollte sich der Arbeit anpassen, sondern umgekehrt! So sind zahlreiche Situationen denkbar, in denen eine Vollzeiterwerbstätigkeit nicht immer möglich ist: Möchtest du zum Beispiel nebenbei studieren oder dich anderweitig weiterbilden? Oder willst du innerhalb der Familie Pflege- oder Betreuungsaufgaben wahrnehmen? Dann erklären wir dir hier deine Optionen.

Frau pustet in eine Pusteblume

DGB/Michael Simons/123rf.com

Wer hat allgemein ein Recht auf Teilzeit?

In Paragraph 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) sind die Regelungen zur Verringerung der Arbeitszeit niedergeschrieben. So hast du als Arbeitnehmer_in das Recht, eine Reduzierung deiner Arbeitszeit zu verlangen, wenn du bereits über sechs Monate bei einem Unternehmen mit mehr als 15 Angestellten arbeitest.

Welche Fristen muss ich einhalten?

Du musst die Verringerung deiner Arbeitszeit und deren Umfang spätestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn beantragen. Hierbei solltest du die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit angeben. Bei dieser Arbeitszeitgestaltung hat dein Arbeitgeber Mitspracherechte, wobei ihr euch letztendlich einigen solltet. Jedoch ist es sinnvoll, sich die Gestaltung der Arbeitszeitreduzierung gut zu überlegen, da Arbeitnehmer_innen frühestens nach zwei Jahren eine erneute Arbeitszeitreduzierung verlangen können, egal ob der Arbeitgeber der vorherigen Reduzierung zugestimmt oder diese berechtigterweise abgelehnt hat

Dein Unternehmen muss der Verringerung der Arbeitszeit zustimmen, soweit dringende, betriebliche Gründe nicht dagegensprechen.

Betriebliche Gründe?

Diese gelten als sogenannter Rechtsbegriff und sind festgeschrieben. Als solche Gründe gelten Faktoren

  • den Arbeitsablauf im Betrieb wesentlich beeinträchtigen,
  • die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigen,
  • unverhältnismäßige Kosten verursachen.

Weitere oder andere Ablehnungsgründe können auch durch Tarifverträge festgelegt werden.

Achtung: Den Anspruch, in Vollzeit zurückzukehren gibt es nur in wenigen Fällen!

Habe also im Blick, dass Arbeitszeitreduzierungen finanzielle Folgen, auch für deine spätere Altersvorsorge haben und es nicht immer möglich ist die Arbeitszeit später wieder aufzustocken.

Gibt es besondere Rechte in besonderen Lebenssituationen oder für bestimmte Beschäftigungsgruppen?

1)      Während der Elternzeit:

Während der Elternzeit (die ersten 3 Lebensjahre eines Kindes) kann eine Arbeitszeitreduzierung auf 15 bis 30 Wochenstunden in Unternehmen mit über 15 Angestellten nur aus dringenden betrieblichen Gründen verweigert werden. Es besteht ein Rückkehranspruch zur vorherigen Arbeitszeit nach Ende der Elternzeit. Außerhalb des Rechtsanspruchs ist auch eine Wochenarbeitszeit unter 15 Stunden möglich.

2)      Pflegende Angehörige:

Pflegende Angehörige können in einer akuten Pflegesituation bis zu zehn Arbeitstage ohne Ankündigungsfrist der Arbeit fernbleiben. Um Lohnausfälle auszugleichen gibt es seit dem 1.1.2015 für diese Zeit das Pflegeunterstützungsgeld. Diese Regelungen gelten für alle Beschäftigten unabhängig von der Größe des Unternehmens.

Auch können Arbeitnehmer_innen bis zu sechs Monate die Arbeitszeit reduzieren bzw. ganz ruhen lassen, wenn sie einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegen. Seit dem 1.1.2015 kann für diese Zeit ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden. Allerdings besteht kein Rechtsanspruch bei Unternehmen mit weniger als 16 Beschäftigten.

Wenn nahe Angehörige länger pflegebedürftig sind, haben Arbeitnehmer_innen einen Anspruch darauf, bis zu 24 Monate die Arbeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, um diese in häuslicher Umgebung pflegen zu können.

3)      Beschäftigte im öffentlichen Dienst:

Allen Beschäftigten im öffentlichen Dienst kann eine Arbeitszeitreduzierung nur aus dringenden betrieblichen Gründen verweigert werden.

4)      Beschäftigte, die Nachtarbeit leisten

Nachtarbeiter_innen können aus gesundheitlichen Gründen oder bei Kinderbetreuungsaufgaben eine Verschiebung der Arbeitszeit verlangen. Dies gilt für Menschen mit Pflegeaufgaben nur, wenn es sich bei dem oder der zu pflegenden Person um einen Schwerpflegefall handelt.

 Welche Teilzeitmodelle gibt es?

Arbeiten in Teilzeit ist oft flexibler als gedacht und kann ganz individuell gestaltet werden. Als Orientierungshilfe findest du sieben Teilzeitmodelle auf den Seiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (siehe unten im grauen Kästchen). Die Modelle reichen von der klassischen täglichen Arbeitszeitreduzierung über Jobsharing bis hin zur Teilzeit im Homeoffice.

Ist Arbeit in Teilzeit weniger wert?

Oft wird vermutet, in Teilzeit wäre die Karriere vorbei. Laut Paragraph 4 Teilzeit- und Befristungsgesetz dürfen Teilzeitbeschäftigte gegenüber Vollzeitbeschäftigten bei Aufstiegsmöglichkeiten, Weiterbildungschancen, etc. nicht benachteiligt werden. Wenn du deine wöchentliche Arbeitszeit reduzierst, hast du demnach den gleichen Anspruch auf eine Fortbildung wie die Kolleg_innen in Vollzeit. Auch hält dich deine Arbeit in Teilzeit nicht grundsätzlich davon ab, befördert zu werden. Ähnliches gilt für das Arbeitsentgelt, das anteilsmäßig dem deiner vollzeitbeschäftigten Kolleg_innen entsprechen muss. In der Realität sieht das oft anders aus, da sind z. B. ganztägige Fortbildungen häufig die Regel. Deine Gewerkschaft bietet dir hier im Fall der Fälle Rechtsberatung!

 

Weitere Informationen:

  • Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2016): Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (Teilzeit- und Befristungsgesetz - TzBfG) § 4 Verbot der Diskriminierung.
  • Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2016): Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (Teilzeit- und Befristungsgesetz - TzBfG) § 8 Verringerung der Arbeitszeit.
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2015): Teilzeitmodelle.
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2016): Bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Seit 1.1.2015 gelten im Bereich der Pflege neue gesetzliche Regelungen.
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2015): Die Elternzeit.
  • Informationen und Entscheidungshilfen zum Wiedereinstieg nach Arbeitszeitreduzierungen.

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