Deutscher Gewerkschaftsbund

Von nüscht kommt nüscht!

Gastbeitrag von Franziska Foullong

Junge Frau im Büro

DGB/ammentorp/123rf.com

Franziska Foullong (Gewerkschaftssekretärin bei ver.di) ist Role Model im Themenmonat "Solidarität"

 

Von nüscht kommt nüscht – das ist das Leitmotto warum alle Menschen sich in Gewerkschaften engagieren sollten.

Wenn sie es nicht tun, können die Arbeitgeber dieser Welt alleine entscheiden wie viel Geld wir verdienen, wie viele Urlaubstage sie uns geben wollen, wie lange wir jeden Tag arbeiten und wann am Tag, Abend oder in der Nacht wir diese Arbeitszeit erbringen müssen. Ob wir uns einen Urlaub leisten können oder genug für eine Familienplanung vorhanden ist. Indirekt entscheiden sie sogar darüber, wo wir wohnen. Denn mit wenig Geld ist klar, dass Wohnungen in bestimmten Wohngegenden oder gar in ganzen Städten nicht bezahlbar sind. Die gesetzlichen Regelungen reichen hier noch lange nicht aus.

Und was hat das mit mir zu tun?

Gerade junge Frauen müssen in unserer Gesellschaft immer noch viele Abhängigkeiten und Ungerechtigkeiten erleben. Wir verdienen trotz gleicher Qualifikation immer noch weniger als Männer. Die meisten Führungspositionen und Aufsichtsratssitze sind von Männern besetzt, die auch gerne Männer wieder nachholen. Wir machen in der Regel den Großteil der Haushalts- und Carearbeit. Wir sind stärker von Armut bedroht. Wir dürfen nicht frei über unseren Körper entscheiden, sobald ein Kind drinsteckt, ist unser Körper Allgemeingut der Gesellschaft.

Unsere Ausgangssituation ist also nicht gerade ideal!

Ein wichtiger Teil für mehr Gerechtigkeit und Unabhängigkeit ist die Mitbestimmung im Arbeitsleben, denn hier verbringen wir – let’s face it – den größten Teil unseres Alltags und unseres Lebens. Daher ist es so unglaublich wichtig Betriebsräte zu gründen und seine Arbeitsbedingungen in Tarifverträgen mit dem Arbeitgeber zu regeln. Und wenn wir Frauen nicht aufpassen, machen das die männlichen Gewerkschafter für uns mit.

Nur wenn wir viele sind, werden wir gehört!

Das fängt bei der Besetzung von Betriebsratsmandaten an, geht über das ehrenamtliche Engagement in Gewerkschaften bis hin zu Aufsichtsratsmandaten. Im Arbeitsleben gibt es sehr viele Möglichkeiten der Mitbestimmung. Gewerkschaftsmitglieder haben qua Gesetz den alleinigen Auftrag Tarifverträge zu schließen. Der framework für Arbeitsbedingungen ist in Tarifverträgen geregelt: Entgelt, Arbeitszeit, Urlaubstage, Weihnachts- und Urlaubsgeld, Zuschläge und die Ausbildungsvergütung (und vieles mehr, aber je nach Branche unterschiedlich und absolut rahmensprengend für diesen Gastbeitrag). Dieses Grundgerüst ist elementar und existenzsichernd für Beschäftigte. Wer hier mitreden will, muss Gewerkschaftsmitglied sein. Junge Frauen sind im gewerkschaftlichen Engagement nicht repräsentativ ihres Anteils in der Arbeitswelt vertreten. Das hat zur Folge, dass andere über ihre so wichtigen grundlegenden Arbeitsbedingungen entscheiden. Das Prinzip der Solidarität unter den Gewerkschaftsmitgliedern greift zwar vielen Diskriminierungen vor, aber sie sind eben nicht unvermeidbar. Deshalb brauchen wir mehr junge Frauen, die sich in die Gewerkschaftsarbeit einbringen und ihre Vorstellungen von einem guten Arbeitsplatz durchsetzen. Nur wenn wir viele sind, nur wenn wir laut sind, werden wir gehört!

Betriebsräte haben zur Aufgabe die Einhaltung der gesetzlichen sowie der tarifvertraglichen Regelungen zu überwachen. Auch hier gilt: in der Regel haben junge Frauen ein besseres Auge auf die Umstände, die junge Frauen betreffen. Oft dominieren Männer die Ämter in Betriebsratsgremien, obwohl es ein Minderheitengeschlechtsquorum gibt. Trotzdem findet man in vielen Frauendominierten Berufen männliche Betriebsratsvorsitzende.

Mehr Frauen auf allen Ebenen der Mitbestimmung

Oft als Männer-Sauna-Club verschrien sind Aufsichtsräte für die Überprüfung der Geschäfte des Vorstands zuständig und ein wichtiges Instrument der Mitbestimmung für Beschäftigte. Für Aufsichtsräte gibt es seit längerem Diskussionen in der Politik über die Einführung einer Frauenquote. Noch nicht realisiert, aber dringend notwendig! Vor allem wegen der Informationspflicht über wichtige unternehmerische Entscheidungen sowie die Geschäftsstrategie des Vorstands, ist der Aufsichtsrat wichtig. Unternehmerische Entscheidungen werden zwar immer noch von der Arbeitgeber- bzw. Kapitalseite einseitig getroffen, aber die Auswirkungen für die Beschäftigten können immens sein und durch den Aufsichtsrat manchmal schon eindämmbar. Noch wichtiger wäre allerdings eine Frauenquote für die Vorstände der Unternehmen. Hier werden die wichtigen Entscheidungen getroffen und hier braucht es dringend mehr Frauen!

Kurzum: Junge Frauen müssen sich auf allen Ebenen der Mitbestimmung einbringen. Denn wie die Berliner*innen sagen: Von nüscht kommt nüscht.

Franziska Foullong

DGB/Franziska Foullong

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