Deutscher Gewerkschaftsbund

Frauen und Technik – wie funktioniert's?

Unser Role Model Paula Budzynski im Interview

Frau­en und Tech­nik – wie funk­tio­nier­t's?

Pfau/LIFE e.V.

Die 19-Jährige Paula ist unser Role Model in der Themenwoche "Frauen in MINT". Als eine von wenigen Frauen macht sie eine Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik. Auf die Idee kam sie, weil sie nach dem Abitur ein technisches Jahr für junge Frauen absolvierte. Dabei hat sie sich in der Schule noch nicht mal groß für MINT-Fächer interessiert. Und: Sie hat es genauso drauf wie ihre männlichen Kollegen, "wenn nicht sogar mehr"! Aber lest selbst:

Wie hast du von dem praktischen Jahr für junge Frauen erfahren und wie hat es dich vorangebracht?

Paula: Von EnterTechnik habe ich durch eine Freundin erfahren, die auch an dem technischen Jahr teilgenommen hat. Ich wusste noch nicht genau was ich nach dem Schulabschluss machen will. Die Vorstellung mehr über MINT- Berufe (vor allem Ausbildungsberufe) zu erfahren, fand ich sehr interessant. Also habe ich mich einfach beworben. Ohne das technische Jahr für junge Frauen wäre ich vermutlich nicht auf die Idee gekommen Elektronikerin für Automatisierungstechnik werden zu wollen. Ich würde vermutlich noch nicht einmal wissen, dass es diesen Beruf überhaupt gibt.

Wie bist du zur Technik gekommen? Hat dich etwas oder jemand besonders motiviert wie z.B Familie, Freund_innen, Schule oder Vorbilder?

Paula: Richtig Interesse an einem technischen Beruf habe ich eigentlich hauptsächlich durch die verschiedenen Praxiserfahrungen bei EnterTechnik bekommen. Mein Vater hat zwar einen technischen Beruf aber ich hatte bis dahin nie wirklich Interesse daran. In der Schule lagen meine Schwerpunktfächer auch nicht im technischen Bereich. Hätte ich nicht die Chance gehabt mal in den MINT-Bereich zu schnuppern, wäre ich sicher woanders gelandet.

Welche drei Praktika hast du gemacht? Was hat dir am besten gefallen und was eher nicht?

Paula: Mein erstes Praktikum war in der IT-Abteilung der Stadtreinigung. Das zweite bei einem großen Energieversorger und das dritte in einem kleineren Berliner Unternehmen. Spaß gemacht hat es am meisten, wenn man praktisch und selbständig aktiv werden konnte. Zum Beispiel konnte ich bei der Stadtreinigung ein kleines eigenes Programm schreiben und mir beim Energieversorger eine eigene Schraubenfigur zusammenschweißen. Dort hat es mir dann auch am besten gefallen, da man viele unterschiedliche Sachen ausprobieren konnte. Das dritte Praktikum fand ich persönlich nicht ganz so gut, weil es nicht so viel Abwechslung gab und ich mir des Öfteren dumme Kommentare anhören musste, wie z.B warum ich denn so männlich sei (im Bezug darauf, dass ich mich für Technik und Fußball interessiere).

Warum hast du dich für deinen Ausbildungsberuf entschieden? Hattest du irgendwelche Bedenken?

Paula: Während des Praktikums habe ich gemerkt, dass mir das Programmieren bei der Automatisierungstechnik sehr viel Spaß macht. Deswegen fiel es mir ziemlich leicht mich für den Ausbildungsberuf zu entscheiden. Bedenken hatte ich eigentlich nur wegen des frühen Aufstehens.

Wie haben deine Familie und deine Freund_innen reagiert? Gab es einen Unterschied zwischen Jungs und Mädchen?

Paula: Eigentlich nur positiv. Meistens kam die Frage auf, warum ich denn nicht studieren will, wie der Rest meines Freundeskreises. Aber das war‘s auch schon.

Da im MINT-Bereich weniger Frauen als Männer arbeiten, hast du wahrscheinlich mehr männliche Kollegen, oder? Wie ist deine Erfahrung in einem Betrieb als junge Frau unter so vielen Männern?

Paula: Ja, es sind um einiges mehr Männer als Frauen in meinem Betrieb. Die meisten Ausbilder_innen und Berufsschullehrer_innen sind auch männlich. Man fällt als Frau also schon auf. Ich habe aber eigentlich nur gute Erfahrungen in meinem Betrieb gemacht.

Hast du das Gefühl, dass du dich als junge Frau mehr beweisen musst als deine männlichen Kollegen?

Paula: Am Anfang schon, aber die Kollegen haben glaube ich ziemlich schnell gemerkt, dass man auch als Frau mindestens genauso viel drauf hat wie sie. Wenn nicht sogar mehr.

Bist du auch schon mal Vorurteilen gegenüber Frauen begegnet? Oder blöden Sprüchen?

Paula: Ja das leider schon. Wirklich krass sexistische Sprüche weniger in der Ausbildung als mehr bei meinen Praktikas. Man begegnet halt leider doch immer Menschen, die einen als Frau (im technischen Bereich) nicht wirklich ernst nehmen.  

Paula Budzynski

Pfau/LIFE e.V.

Was ist EnterTechnik und das technische Jahr für junge Frauen?

Bei EnterTechnik lernst du in Berlin ein Jahr lang im Rahmen von drei verschiedenen Praktikas technische Berufe kennen und probierst aus, was am besten zu dir passt, bevor du dich für eine Ausbildung oder ein Duales Studium entscheidest.

Ähnliche Projekte wie EnterTechnik gibt es z.B. in Hamburg mit ProTechnicale oder das Niedersachsen Technikum.

Hier findest du weitere hilfreiche Informationen:

Kompetenzzentrum Technik Diversity Chancengleichheit: Deutschlands wichtigster Zusammenschluss zur Förderung von Chancengleichheit und Vielfalt in Wirtschaft und Gesellschaft mit bundesweiten Projekte wie dem Girls'Day, Komm, mach MINT und der Initiative Klischeefrei.

Girlsatec: Das Projekt informiert über Ausbildungsmöglichkeiten für junge Frauen in gewerblich-technischen Berufen.

Paula

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