Deutscher Gewerkschaftsbund

Die Entgeltlücke - der Gender Pay Gap

Ob Frau oder Mann - Menschen in Deutschland verdienen das Gleiche! Oder? Weit gefehlt, denn die Stundenlöhne von Frauen und Männern klaffen in der Bundesrepublik immer noch weit auseinander. Der Gender Pay Gap, zu deutsch: Entgeltlücke, ist leider immer noch Realität. Was es damit genau auf sich hat:

Gender Pay Gap 18%

Was verdient die Frau?

Was ist eigentlich die Entgeltlücke?

Die Entgeltlücke – auch geschlechtsspezifisches Lohngefälle, Gender Pay Gap, Geschlechter-Einkommenslücke, etc. genannt – bezeichnet den Unterschied in den Bruttostundenlöhnen zwischen Frauen und Männern. Dabei werden die Löhne und Gehälter aller in Deutschland Beschäftigten in die Berechnung einbezogen.

Wie hoch ist die Entgeltlücke?

EU-weit verdienen Frauen rund 14 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Dabei unterscheiden sich die Länder der EU deutlich voneinander: Von ca. 1,4 Prozent in Luxemburg bis knapp 22 Prozent in Estland reicht die Spannweite des Lohngefälles (Europäische Kommission 2020). Deutschland gehört mit 18 Prozent zu den Schlusslichtern. In den letzten Jahren hat sich nur wenig getan.

Wie wird die Entgeltlücke berechnet?

Wieviel Prozent des Einkommens von Männern beträgt das Einkommen von Frauen? Diese Frage liegt der Berechnung auf Basis der sogenannten Verdienststrukturerhebung (VSE) zugrunde. Als geschlechtsspezifisches Lohngefälle wird dabei der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttolohn/Stunde von männlichen und weiblichen Arbeitnehmer*innen betrachtet.

Nicht einbezogen werden Unterschiede in Arbeitszeiten, Erfahrungen, Arten der Tätigkeit oder Ausbildung, weshalb die Ergebnisse oft als „unbereinigt“ bezeichnet werden. Sonderzahlungen, Boni oder ähnliche unregelmäßige Zahlungsleistungen fließen jedoch in die Erhebung ein, was wiederum die eigentliche Höhe des Bruttostundenlohns verzerren kann. Die Entgeltlücke ist somit ein Richtwert, der in bestimmten Zusammenhängen genauer bestimmt werden muss.

Welche Folgen hat die Entgeltlücke für Frauen?

Wer über längere Zeit weniger verdient, erhält eine geringere Rente oder Pension. Einige Frauen haben in ihrem Leben so wenig verdient, dass sie im Alter verarmen. Das Risiko der Altersarmut ist nicht zu verachten: Für Männer liegt dieses bei rund 12 Prozent, Frauen sind zu über 16 Prozent betroffen. Armut im Alter bedroht demnach beinahe jede vierte Frau.

"Frauen bekommen nicht 18 Prozent weniger, sondern nur 6 Prozent" - Was stimmt denn jetzt?!

Wird die Entgeltlücke diskutiert, kommt immer wieder das Argument auf, die vom Statistischen Bundesamt erhobene Zahl von 18 Prozent Entgeltlücke, seien unbereinigt und 'in Wahrheit' beliefe sich der Unterschied auf wenige Prozent. Das ist grundsätzlich richtig. Aber auch nicht ganz: Es wird unterschieden zwischen der unbereinigten und bereinigten Lohnlücke. In der unbereinigten Lohnlücke werden Einkommen aller erwerbstätigen Frauen mit den Gesamteinkünften der Männer verglichen. Hier besteht ein Gefälle von 18 Prozent, also knapp einem Fünftel.

Die bereinigte Lohnlücke stellt den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern dar, der selbst dann noch besteht, wenn Frauen und Männer mit gleichen (gemessenen) Merkmalen verglichen werden. Folglich der Entgeltunterschied, der nicht erklärt werden kann. Trotzdem ist es wichtig die 18% zu betrachten, da diese die Benachteiligungen widerspiegelt, die Frauen auf dem Arbeitsmarkt erfahren.

Was sind die Hürden von Frauen auf dem Arbeitsmarkt?

Besonders der Erwerbsumfang und die Arbeitserfahrung schlagen zu Buche. Genau hier stoßen Frauen oft auf Widerstände, ob bewusst oder unbewusst. Denn: Die Hälfte der erwerbstätigen Frauen sind in Teilzeit beschäftigt, zum Teil sogar ausdrücklich unfreiwillig (13 bis 20 Prozent, je nachdem, ob ein Kind im Spiel ist oder nicht). Der sogenannte Gender Time Gap liegt bei rund 9 Stunden. Das bedeutet Frauen sind rund einen Tag weniger in der Woche erwerbstätig. Beim Gender Pay Gap werden zwar die Bruttostundenlöhne verglichen, aber da Teilzeitstellen oft prinzipiell schlechter bezahlt werden, erfahren Frauen hier einen großen Nachteil.

Auch der Ausstieg aus dem Job aufgrund von Schwangerschaft, Elternzeiten (die von Frauen statistisch wesentlich länger sind), Erziehungs- oder Pflegezeiten beeinflussen das Gehalt negativ. Schließlich sammeln Mütter und Frauen in diesen Phasen nach Ansicht vieler Arbeitgeber keine relevante Berufserfahrung. Der Wiedereinstieg gelingt häufig nur in Teilzeit. Ein überwältigender Anteil der Teilzeitlerinnen gibt an, wegen der Familie nur in Teilzeit arbeiten zu können/wollen. Dies ist erstaunlich, sind doch Männer meist auch Teil der Familie. Dennoch geben Männer, von denen ohnehin nur jeder Zehnte in Teilzeit arbeitet, diese Gründe nicht an. 

Familienarbeit ist für viele immer noch Frauenarbeit

Die Folgerung, Frauen arbeiten weniger und haben deswegen geringere Einkünfte ist also nicht ganz richtig: Frauen arbeiten wesentlich mehr, leider zu großen Teilen unentgeltlich: im Haushalt, bei der Erziehung ihrer Kinder oder der Pflege von Angehörigen. Ob sie dies bewusst oder unbewusst freiwillig tun, ist die andere Frage. Leider herrschen noch häufig veraltete Rollenbilder vor, die Frauen die familiäre Sorgearbeit zuschreiben und sie gleichzeitig am Aufstieg im Beruf hindern. Es braucht also betriebliche Anreize, dass Männer und Frauen sich die Sorgearbeit fair teilen können - und nicht zuletzt ein Umdenken, denn Sorgearbeit geht alle an und sollte eben nicht ausschließlich Frauensache sein!

"Frauen arbeiten aber auch weniger und wählen eben schlechter bezahlte Jobs" - also selbst schuld an der Lohnlücke?

Das ist zu kurz gedacht. Was soll die Lösung sein? Alle Frauen wählen Ausbildungen und Studiengänge im MINT-Bereich und schon ist die Entgeltlücke geschlossen und die Altersarmut von Frauen kein Thema mehr? Geschlechterstereotype müssen sich langfristig verändern und junge Menschen ihre Ausbildung oder ihr Studium entsprechend ihrer Fähigkeit und Interessen (und nicht nach ihrem Geschlecht) wählen. Das kann ein männlich dominierter MINT-Beruf sein oder ein frauendominierter Beruf in den Sozial- und Erziehungsdiensten.

Und: Wie bewerten wir welche Arbeit? Der „Comparable Worth Index“ (CW-Index) ist ein wissenschaftliches Instrument, mit dem Arbeitsanforderungen und -belastungen in unterschiedlichen Berufen verglichen und die jeweilige Arbeitsschwierigkeit der Tätigkeiten in Form von Punkten gemessen wird. Die Ungleichbewertung von frauen- und männerdominierten Berufsfeldern wird dadurch umso deutlicher: Der Index zeigt beispielsweise, dass Pflegekräfte (Frauenanteil 89 Prozent) ein gleiches Anforderungsniveau wie z.B. Ingenieur_innen der Elektrotechnik (Frauenanteil 8 Prozent) aufweisen – aber nur 40 Prozent des Stundenlohns erhalten

Warme Worte reichen den Beschäftigten - zumeist Frauen - in den Bereichen Pflege, Betreuung und Bildung nicht. Ihre Jobs werden zu großen Teilen aus Steuermitteln und/oder Sozialversicherungsbeiträgen finanziert - deshalb muss die gesellschaftliche Wertschätzung für diese Arbeit dazu führen, sie angemessen zu bezahlen. Das muss uns Gerechtigkeit und Fairness wert sein, damit der Gender Pay Gap endlich geschlossen wird.

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