Deutscher Gewerkschaftsbund

Der Gender Pay Gap

Frauen bekommen für ihre Arbeit weniger Geld als Männer. Diese geschlechtsspezifische Ungerechtigkeit heißt Gender Pay Gap – auf deutsch Entgeltlücke. Und sie muss endlich geschlossen werden.

Gender Pay Gap 18%

Was verdient die Frau?

Was bedeutet Gender Pay Gap?

Der Missstand hat viele Namen – Entgeltlücke, geschlechtsspezifisches Lohngefälle, Gender Pay Gap, Geschlechter-Einkommenslücke. Gemeint ist aber immer das Gleiche: Die Stundenlöhne von Frauen sind niedriger als die von Männern.  Diese Lücke ist weder Zufall noch Unfall. Sie ist das Ergebnis einer systematischen Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

Wie groß ist der Gender Pay Gap?

EU-weit verdienen Frauen im Durchschnitt 14 Prozent weniger pro Stunde als Männer, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt: So beträgt die Lücke in Luxemburg 1,4 Prozent, während sie in Estland bei 22 Prozent liegt. Deutschland gehört mit 18 Prozent zu den Schlusslichtern. Zur Veranschaulichung: 2020 waren das 18,26 Euro pro Stunde für Frauen und 22,78 Euro pro Stunde für Männer – eine Kluft von 4,16 Euro stündlich.

Wie wird der Gender Pay Gap berechnet?

Grundlage ist die sogenannte Verdienststrukturerhebung (VSE). Dabei werden die Löhne und Gehälter aller Beschäftigten einbezogen, inklusive Sonderzahlungen, Boni oder ähnliche unregelmäßige Zahlungsleistungen. Der Unterschied des durchschnittlichen Bruttostundenlohns von Männer und Frauen ist dann der Gender Pay Gap. Nicht betrachtet werden Arbeitszeiten (Vollzeit oder Teilzeit), Erfahrungen, Arten der Tätigkeit oder Ausbildung. Deshalb werden die Ergebnisse auch als „unbereinigt“ bezeichnet.

Der kleine Unterschied zwischen „bereinigt“ und „unbereinigt“

Wird die Entgeltlücke diskutiert, kommt oft Argument, 18 Prozent sei falsch berechnet und maßlos übertrieben. In Wahrheit handele es sich um ein paar wenige Prozentchen Unterschied. Das wäre schön, stimmt aber leider nicht. Denn es gibt zwei Entgeltlücken – eine „bereinigte“ und eine „unbereinigte“. Warum? Ganz einfach, weil dabei zwei verschiedene Dinge betrachtet werden.

  • Die unbereinigte Entgeltlücke ist die Differenz, die beim Vergleich der Einkommen aller erwerbstätigen Frauen mit denen aller erwerbstätigen Männer sichtbar wird. Hier besteht ein Gefälle von 18 Prozent – also knapp einem Fünftel.
  • Die bereinigte Entgeltlücke wiederum zeigt den Einkommensunterschied zwischen denjenigen Frauen und Männern auf, die ansonsten über die gleichen Merkmale verfügen – gleiche Qualifikation, gleiche Tätigkeit, gleiche Arbeitszeit etc.

Anders gesagt: Die unbereinigte Entgeltlücke offenbart die strukturelle Benachteiligung von Frauen im Arbeitsleben. Die bereinigte Entgeltlücke macht direkte Diskriminierung sichtbar.

Wie kann das sein?

Das liegt unter anderem daran, dass bestimmte Tätigkeiten noch immer als "Frauentätigkeiten" und andere als "Männertätigkeiten" gelten. Und weil die so konstruierten "Frauenberufe" – zum Beispiel in den Bereichen Pflege, Erziehung, Gesundheit, Soziales – als weniger wertvoll eingestuft werden. Das zeigt auch der "Comparable Worth Index" (CW-Index), ein wissenschaftliches Instrument zum Vergleich von Arbeitsanforderungen: So müssen Pflegekräfte (Frauenanteil 89 Prozent) das gleiche Anforderungsniveau wie Ingenieur*innen der Elektrotechnik (Frauenanteil 8 Prozent) erfüllen – erhalten aber 60 Prozent weniger Stundenlohn.

Zudem verzichten Frauen noch immer häufiger als Männer zugunsten der Familie auf Einkommen und Karriere oder werden durch traditionelle Rollenaufteilungen dazu gedrängt. Das Unterbrechen der Karriere aufgrund von Schwangerschaft, Elternzeiten, Erziehungs- oder Pflegezeiten beeinflussen das Gehalt. Schließlich sammeln Mütter und Frauen in diesen Phasen nach Ansicht vieler Arbeitgeber*innen keine relevante Berufserfahrung. Im Anschluss sind Frauen zudem häufig in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt – und zwar nicht selten ausdrücklich unfreiwillig.

Welche Folgen hat der Gender Pay Gap für Frauen?

So einige und zwar keine guten. Frauen haben grundsätzlich ein höheres Armutsrisiko als Männer – alleinerziehende Frauen übrigens das allergrößte. Im Alter spitzt sich die Lage noch einmal zu. Denn wer über längere Zeit weniger verdient, erhält eine geringere Rente. Deshalb ist drohende Altersarmut ein großes Problem für Frauen – beinahe jede vierte ist davon betroffen.

Aber auch im Hier und Jetzt spiegelt die Lohnlücke nicht nur Benachteiligung, sondern erzeugt sie auch immer wieder neu. So entscheidet sich beispielweise noch immer die Mehrheit frischgebackener Eltern dafür, dass der Elternteil mit dem geringeren Einkommen länger Elterngeld bezieht. Logisch – bemisst es sich doch an der Höhe des vorherigen Einkommens, ist aber gleichzeitig nach oben gedeckelt. Die Folge? Bei vielen heterosexuellen Paaren nimmt mehrheitlich die Frau länger Elternzeit, u.a. weil ihr vorheriges Einkommen oft geringer ist. Damit wächst aber auch ihre Abwesenheitszeit vom Beruf. Was wiederum negative Auswirkungen auf das Einkommen nach dem Wiedereinstieg hat. Ein Teufelskreis.

Was können wir dagegen tun?

Der Gender Pay Gap kann nur geschlossen werden, wenn sich in vielen Bereichen etwas ändert.

  • Soziale Berufe besser bezahlen
  • Soziale Dienstleistungen (KiTa, Pflegedienste) ausbauen
  • Geschlechterstereotype überwinden
  • Sorgearbeit gleichberechtigt aufteilen
  • Tarifbindung stärken
  • Personalpolitik in Betrieben an einer geschlechterneutralen häuslichen Arbeitsteilung, fürsorglichen Vätern und berufsorientierten Müttern ausrichten
  • Bei der Arbeitszeit-, Schicht- und Urlaubsplanung Rücksicht auf Fürsorgeverantwortung nehmen
  • Mehr Unterstützung von Vereinbarkeitsstrategien von Arbeit und Familie durch Führungskräfte leisten (dabei auch selbst Vorbild sein)
  • Unternehmenskulturen neu definieren
  • Strukturelle Hürden für die berufliche Weiterbildung für Frauen abbauen (z.B. Berücksichtigung familiärer Aufgaben bei der Terminierung, Ortswahl und Durchführung)

 

Quellen:

Weitere Informationen: