Deutscher Gewerkschaftsbund

Friseurin statt Elektroinstallateurin

Fünf Fakten zur horizontalen Segregation auf dem Arbeitsmarkt

Ein Blick in den Hörsaal genügt: Der „Einführung in die Erziehungswissenschaften“ lauschen wesentlich mehr weibliche als männliche Studierende. In der Berufsschule sieht das nicht viel anders aus: Frauen werden Medizinische Fachangestellte, Männer hingegen Kraftfahrzeugmechatroniker. Wir schauen uns an, woran das liegt!

Erzieherin spielt mit Kindern

Colourbox

Was bedeutet "horizontale Segregation"?

Frauen und Männer verteilen sich in Deutschland nicht gleichmäßig auf die verschiedenen Berufe. Neben Berufen, in denen beide Geschlechter annähernd gleich verteilt sind, lassen sich auch frauendominierte und männerdominierte Berufe ausmachen.

Die starke Ungleichverteilung von Frauen und Männer auf unterschiedliche Berufsfelder wird auch als horizontale Segregation des Arbeitsmarktes bezeichnet.

Berufsfelder mit einem Frauenanteil von mehr als 70 Prozent werden als frauendominierte Berufsfelder definiert. Umgekehrt gelten Berufsfelder mit einem Frauenanteil unter 30 Prozent als männerdominierte Berufsfelder.

Alle Berufe dazwischen werden als geschlechtsunspezifisch bezeichnet:

WSI GenderDatenPortal 2017

WSI/DGB

5 Fakten zur horizontalen Segregation:

Die Berufswahl hängt vom Geschlecht ab. Vor allem Stereotype und Rollenbilder sorgen dafür, dass Frauen und Männer sich für unterschiedliche Branchen entscheiden. Die fünf wichtigsten Fakten:

1. Frauen arbeiten eher am Menschen

Frauendominierte Berufsfelder mit einem Frauenanteil von über 70 Prozent sind vor allem die personenbezogenen Dienstleistungsberufe. Frauen stellen den größten Anteil in den Gesundheitsdienstberufen (82,2 Prozent Frauenanteil) und in den Sozial- und Erziehungsberufen bzw. unter Seelsorger*innen, sowie Friseur*innen, Gästebetreuer*innen, Hauswirtschafter*innen und Reiniger*innen. Auffällig ist, dass es gerade diese Berufsfelder sind, die unter niedrigen Löhnen und schwierigen Arbeitsbedingungen zu leiden haben. Der Gender Pay Gap bezeichnet die aus dieser Berufswahl resultierenden Einkommensunterschiede von Frauen und Männern.

2. Männer arbeiten eher in der Produktion

Gegenüber den Sozial- und Erziehungsberufen sind Frauen im Produktionsbereich und in technischen und handwerklichen Tätigkeitsfeldern weniger stark vertreten. Diese Bereiche weisen niedrige Frauenanteile (unter 30 Prozent) auf und werden daher den männerdominierten Berufsfeldern zugerechnet. Auffallend geringe Frauenanteile finden sich etwa in den Elektroberufen, den Metallberufen, den Bau-, Bauneben- und Holzberufen, sowie den Bergbauberufen.

3. Frauen und Männer arbeiten beide in Büroberufen

Zu den geschlechtsunspezifischen Berufsfeldern, also mit einem Frauenanteil von über 30 Prozent aber unter 70 Prozent, zählen die Verwaltungs- und Büroberufe, die wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Berufe, die Waren- und Dienstleistungskaufleute, die Textil-, Leder- und Bekleidungsberufe, die Medien-, die geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Berufe, sowie die Ernährungsberufe.

4. Frauen üben wenige Berufe, aber dafür in großer Zahl aus

Insgesamt stellen Frauen nur in sehr wenigen Berufsfeldern den dominierenden Anteil der Beschäftigten. Nur drei der insgesamt 20 Berufsfelder sind frauendominiert. Demgegenüber sind 11 Berufsfelder Männerdomänen.

5.  Neue Bundesländer sind (etwas) durchmischter

Der regionale Vergleich zeigt, dass die Verteilung in Westdeutschland weist fast identische Werte auf wie die Verteilung in Gesamtdeutschland. Für Ostdeutschland zeigen sich hingegen leichte Abweichungen:

  • In nahezu allen Berufsfeldern fällt der Frauenanteil in Ostdeutschland etwas höher aus als in Westdeutschland. Dies gilt für frauendominierte ebenso wie für geschlechtsunspezifische Berufsfelder und sogar für männerdominierte Berufsfelder.
  • Als Folge davon finden sich in Ostdeutschland sieben geschlechtsunspezifische Berufsfelder.
  • Die deutliche geschlechtsspezifische horizontale Segregation des deutschen Arbeitsmarktes ist trotz Niveauunterschieden sowohl in Westdeutschland als auch in Ostdeutschland zu beobachten.

Wo liegt das Problem?

Gerade frauendominierte Branchen, wie Gesundheits- und Pflegedienste, werden deutlich schlechter bezahlt als männerdominierte Branchen. Das liegt jedoch nicht daran, dass beispielsweise die Belastung im diesen Jobs niedriger ist - im Gegenteil. Der Comparable Worth Index vergleicht "Frauenberufe" und "Männerberufe" im Hinblick auf Anforderungen und Belastung und stellt fest: Trotz gleichwertiger Arbeit werden frauendominierte Berufe schlechter bezahlt. 

Beispiele aus dem Comparable Worth Index

Was verdient die Frau?

Und jetzt?

Von einer stärkeren Durchmischung der Berufe profitieren Frauen wie Männer. Frauen erhalten dadurch einen leichteren Einstieg in bislang den Männern vorbehaltene Berufe und somit auch Zugang zu anderen Tätigkeiten, Netzwerken und Aufstiegsmöglichkeiten. Auch Männer erfahren dadurch Vorteile, z. B. durch ein vielfältigeres Angebot im Betrieb, bessere Vereinbarkeitsmöglichkeiten und auch mehr Verständnis hierfür. Sich für eine größere Vielfalt in der Belegschaft auszusprechen und einzusetzen, ist nicht nur zeitgemäß, sondern auch förderlich für alle Beteiligten.

Inzwischen nehmen sich einige Initiativen dieser Ungleichverteilung von Frauen und Männern auf Berufe – sprich: horizontaler Segregation – an und engagieren sich. Hervorzuheben sind dabei Boys’Day und Girls’Day: An diesen Tagen können Mädchen bzw. Jungen einen Tag lang Berufe kennenlernen, die sie bislang womöglich nicht für sich in Betracht gezogen haben. Auch wir nehmen am Girls’Day teil!  

Weitere Informationen: