Deutscher Gewerkschaftsbund

Gender Pension Gap: Denkst Du heute schon an deine Altersvorsorge?

Die Rente ist der Spiegel des eigenen Erwerbslebens und soll die Kosten „im Alter“ decken. Doch die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Renten vieler Frauen allein nicht ausreichen.

Kurz und knapp: der Gender Pension Gap

Der Gender Pension Gap (auch: geschlechtsspezifische Rentenlücke) zeigt die Differenz zwischen der Rente die Frauen im Alter erreichen, im Vergleich zu der von Männern. Darin spiegelt sich die strukturelle Diskriminierung, die Frauen auf dem Arbeitsmarkt erfahren. In Deutschland liegt diese Rentenlücke bei 53%. Da bedeutet Frauen erhalten im Alter durchschnittlich weniger als die Hälfte der Alterssicherung, die Männer erhalten.*

Bei der Berechnung des Gender Pension Gaps wird stets die einzelne Person betrachtet und nicht der gesamt Haushalt. Dementsprechend lässt der Gender Pension Gap keine Rückschlüsse darauf zu, wie viel Geld Frauen, z. B. durch die Rente ihres Mannes, tatsächlich im Haushalt zur Verfügung steht. Deutlich wird aber, wie wirtschaftlich abhängig Frauen im Rentenalter sind.

*Hierbei handelt es sich um die „eigenen Alterssicherungsleistungen“, das sind GRV-Renten, Betriebsrenten, Beamtenversorgung, Berufsständische Versorgungen, private Leibrenten etc. (auch aus dem Ausland) die als „eigene“ Versicherung laufen. Nicht berücksichtigt sind Witwen/Witwerrenten, denn das sind Renten der „verstorbenen Person“ und keine eigenen. 

  • Rente oder Pension? Was ist was?

    Rente oder Pension: Wem steht was zu?
    Eine Rente bekommen Arbeitnehmer*innen, die in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Eine Pension bekommen hingegen Beamt*innen, die das Pensionsalter erreicht haben. Die Rente ist abhängig von allen Einkommen, die in den Arbeitsjahren erzielt wurden, die Pension richtet sich nach dem letzten Einkommen.

Wie hoch ist der Gender Pension Gap in Deutschland?

  • In Deutschland besteht eine Rentenlücke von 53 Prozent - Männer bekommen durchschnittlich 1.732 Euro, Frauen 814 Euro sog. "eigene Alterssicherungsleistungen".

  • Der Gender Pension Gap ist in den neuen Ländern (28 Prozent) deutlich geringer als in den alten Bundesländern (58 Prozent). Das liegt v.a. daran, dass die Frauenerwerbstätigkeit in Ostdeutschland höher war (und ist) als in Westdeutschland.

  • Je jünger die betrachtete Altersgruppe, desto geringer der Gender Pension Gap. Die geschlechtsspezifische Rentenlücke verringert sich also langsam, aber stetig.

  • Der Gender Pension Gap für Verheiratete mit Kindern ist höher als der für Verheiratete ohne Kinder. Besonders große Unterschiede zeigen sich in den alten Bundesländern.

Was sind die Gründe für niedrigere eigene Einkommen von Frauen im Alter?

Die Höhe der gesetzlichen Rente ist eng an das eigene Erwerbsleben geknüpft. Wurde die Erwerbstätigkeit längerfristig unterbrochen, z. B. zur Pflege von Kindern oder Angehörigen, kann dies die Rente schmälern. Auch Teilzeitarbeit und niedrigere Stundenlöhne (wie gerade in vielen frauendominierten Branchen), verringern die Chancen auf ein existenzsicherndes (Renten-)Einkommen. Gerade in Westdeutschland beruht der hohe Gender Pension Gap darauf, dass die Erwerbsbiographien älterer Frauen stark vom traditionellen Partnerschaftsmodell (dem des männlichen Familienernährers) geprägt sind: Frauen / Rentnerinnen in Westdeutschland verfügen über deutlich weniger Erwerbsjahre als Männer.

Damit du auch nach dem Erwerbsleben deine Existenz eigenständig bestreiten kannst, solltest du schon heute diese Rentenfallen im Blick behalten: 5 Tipps, um auch im Alter wirtschaftlich unabhängig zu sein:

1) Lange Erwerbspausen oder längere Phasen in geringfügiger Teilzeit vor allem Minijobs vermeiden

Je seltener du deine Erwerbstätigkeit unterbrichst und umso länger du in einem Job arbeitest, der sozialversicherungspflichtig ist, desto besser für deine Rente. Lange Phasen in Minijobs – in welchen eher selten Beiträge zur Rentenversicherung anfallen – oder sehr niedriger Teilzeit, gefährden deine Existenzsicherung im Alter. Desto kontinuierlicher deine Beschäftigung in hohem Wochenstundenvolumen über deinen gesamten Lebensverlauf hinweg also ist, desto weniger wirtschaftlich abhängig bist du und desto höher fällt die Rente aus.

2) Teilzeitbeschäftigungen möglichst nur kurzzeitig ausüben

Manchmal sind es die Umstände, manchmal das Angebot – Teilzeitarbeit muss nicht per se schlecht für deine Rente sein, sie kann deine wirtschaftliche Unabhängigkeit jedoch aufs Spiel setzen. Denn auch hier gilt: Je geringer das Einkommen, desto weniger Beiträge leistest du, weshalb deine Rente geringer ausfällt. Deswegen: Erkundige dich bei deinen Vorgesetzten, ob eine Aufstockung der Stunden möglich ist. Binde hier auch den Betriebsrat mit ein, denn er kann hier sein Mitbestimmungsrecht einsetzen.

3) Beschäftigungen im „Niedriglohnsektor“ haben oft niedrige Renten zur Folge. Gewerkschaften setzen sich u.a. für die Anhebung des Mindestlohns ein, damit eine eigenständige Existenzsicherung auch im „Niedriglohnbereich“ möglich ist. Schon Mitglied?

Als Gewerkschaftsmitglied zeigst du nicht nur Solidarität mit anderen Arbeitnehmer*innen, du setzt dich durch deine Mitgliedschaft schon aktiv für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein. Je mehr wir sind, desto mehr können wir erreichen (Ganz im Sinne: Ein Streichholz kann man brechen, 30 schon wesentlich schwerer)! Du weißt nicht, welche Gewerkschaft für dich die Richtige ist? Hier findest du eine Liste der Mitgliedsgewerkschaften.

4) Betreuungsaufgaben innerhalb der Partnerschaft gemeinsam realisieren

Kinder oder Angehörige zu pflegen ist eine große Herausforderung, gerade was die Zeit angeht. Überwiegend sind es die Frauen, die Betreuungs- und Pflegeaufgaben übernehmen und (in dieser Zeit) im Job ausfallen. Und wie schon deutlich wurde – je größer der Ausfall aus der Erwerbstätigkeit, desto mehr Beiträge fehlen in der Rentenversicherung. Darüber hinaus belegen immer mehr Studien: Partnerschaften auf Augenhöhe sind die glücklicheren! Hilfreiche und konkrete Tipps, wie eine partnerschaftliche Arbeitsteilung Zuhause gelingen kann, findest du z.B. hier.

5) Dir Gedanken über deine Vorsorge im Alter machen und dich frühzeitig über Altersvorsorgeoptionen informieren

Es ist traurig, aber wahr: Wir können nicht hunderprozentig sicher sein, wie (hoch) unsere Rente ausfällt. Zwar erhältst du einen gewissen Betrag ausgezahlt, da du Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt hast, aber du solltest dich damit beschäftigen, ob du damit wirtschaftlich unabhängig sein kannst oder ob du zusätzlich aufstocken musst. Daher lohnt es sich deine eigenen Finanzen in die Hand zu nehmen und über Möglichkeiten der zusätzlichen betrieblichen oder privaten Altersvorsorge nachzudenken. In den Feminar-Dokumentationen „Mo­ney, mo­ney, mo­ney... Nimm dei­ne Fi­nan­zen selbst in die Han­d!" und „Jung vorsorgen! Warum Rente jetzt schon zählt" findest du einige Tipps rund um die Themen Vorsorgen und Sparen.

 

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