Deutscher Gewerkschaftsbund

Still loving Solidarity!

Gastbeitrag von Carissa Wagner und Caroline Loop

Carissa Wagner und Caroline Loop

DGB/Carissa Wagner und Caroline Loop

Carissa Wagner (DGB-Jugendbildungsreferentin) und Caroline Loop (Bildungsreferentin beim DGB Bildungswerk) sind im März Role Models im Themenmonat "Solidarität"

Wie alles begann:

Unsere große Gewerkschafts-Liebe und damit innige Freundschaft begann 2011 auf Sardinien. Schuld daran ist „anders reisen“. Das war ein von der DGB-Jugend NRW organisiertes Langzeitprojekt, in dem – hauptsächlich ehrenamtlich betreut – bis zu 15 Ferienfreizeiten jährlich angeboten wurden. Neben diesen standen politische Reisen, beispielsweise nach Berlin und Brüssel, und Gedenkstättenfahrten nach Auschwitz/Birkenau, Buchenwald oder Treblinka auf dem Programm. Mitfahren konnte alle ab 14 Jahren und es war nicht erforderlich Gewerkschaftsmitglied zu sein. Nachdem wir beide uns auf dieser Fahrt so gut verstanden hatten, fuhren wir auch im darauffolgenden Jahr wieder zusammen mit anders reisen weg. Auf diesen Fahrten bekamen wir, damals noch als Schülerinnen, zum ersten Mal direkten Kontakt zu Gewerkschaften und lernten schnell, warum diese als Solidargemeinschaft so wichtig sind. Denn schon während der Schulzeit gibt es viele Gründe sich sozial zu engagieren und mit anderen etwas zu bewegen. Für eine kostenlose und gute Bildung zum Beispiel. Gewerkschaften helfen dabei die notwendigen Fähigkeiten zu erlangen und beraten darüber hinaus über die Möglichkeit für den beruflichen Weg nach der Schule.

In diesem Jahr haben wir beispielsweise in NRW ein Ticket für Azubis, welches dem Semesterticket für Studenten ähnelt, erstreiten können. Solchen Forderungen können nur in einer über alle Branchen übergreifenden Gemeinschaft Druck verliehen werden.

Gerade auch als junge Frau ist die Gewerkschaft ein wichtiger Anlaufpunkt um gesellschaftspolitisch aktiv zu werden. Es nützt nichts, sich in der stillen Kammer über die Lohnunterschiede, Aufstiegschancen, die immer noch herrschende Ungerechtigkeit bei Care-Arbeit etc. aufzuregen. In der Gewerkschaft kann man diesen Themen eine Stimme geben und sich dafür stark machen.

Teil der Gemeinschaft DGB-Jugend:

Ein weiteres Jahr später machten wir unsere Teamendenausbildung, zwei volle Wochenenden zur Vermittlung von Rechten und Pflichten beim Begleiten von Jugendgruppen, Spiel, Spaß und unglaublich tollen Menschen. Danach waren wir ausgebildete Teamerinnen und ehrenamtliche Aktive, die aus dem Arbeitskreis anders reisen nicht mehr wegzudenken waren. Ein AK, der durch sein hohes Maß an Engagement, Bereitschaft und Herzblut einer der größten in der Gewerkschaftslandschaft war! Da anders reisen an die Region Düsseldorf und damit an den Jugendbildungsreferenten vor Ort angebunden war, nahmen wir den Weg aus Wuppertal und Dortmund auf, um an den politischen Stammtischen in Düsseldorf teilzunehmen. Eine sehr lehrreiche Zeit, bei welcher wir in die Gewerkschaftsjugendarbeit eintauchten. Wir nahmen an zahlreichen Seminaren und Multiplikator_innen-Ausbildungen teil, wurden auch in unseren Regionen aktiv, teamten selber Seminare und das immer mit wunderbaren Menschen an unsere Seite, wodurch das Netzwerk aus jungen Gleichgesinnten immer größer wurde.

Wir als DGB-Jugend leben Solidarität. Wir treten für die Verbesserung der Lebens-, Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen junger Menschen ein, machen uns für Demokratie in Gesellschaft und Arbeitswelt stark. Und engagieren uns dabei insbesondere für das Recht auf gebührenfreie Bildung und Chancengleichheit im gesamten Bildungssystem, um jungen Menschen eine qualifizierte und nachhaltige Bildung zu ermöglichen. Wir sind da, wenn rechtspopulistische und rechtsextreme Menschen öffentlich ihre Phrasen verbreiten wollen, denn unsere Alternative heißt Respekt und Solidarität. Jede und jeder hat dabei die Möglichkeit, sich an der Arbeit der Gewerkschaftsjugend zu beteiligen. In den Gewerkschaften und beim DGB kann man in Projekt- und Aktionsgruppen mitmischen, so wie wir es eins bei anders reisen taten.

Nur gemeinsam sind wir stark:

Warum also sind uns die Gewerkschaften so wichtig? Wir haben durch die Gewerkschaft nicht nur zueinander gefunden und eine wunderbare Freundschaft gewonnen, sondern so viel mehr: Wir haben gelernt, wie wichtig es ist die Stimme zu erheben, auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und sich füreinander einzusetzen. An Kampagnen und Projekten zu arbeiten, gemeinsam Erfolge zu feiern, sich gegenseitig Mut zuzusprechen, um weiter zu machen und immer wieder neue gleichgesinnte Menschen zu treffen, mit denen man sich austauschen kann. Durch die Gewerkschaften haben wir schon viel erreicht. Es gibt allerdings noch Einiges zu tun. Erst letzte Woche haben wir am 08.März, dem Internationalen Frauentag, deutlich gemacht, dass es für uns als DGB-Jugend kein demokratisches Europa ohne Gleichstellung gibt. Am Internationale Frauentag feiern wir zum einen die frauenpolitischen Errungenschaften und machen zum anderen klar, dass wir weiterhin für Gleichstellung kämpfen müssen. Am 18. März ist der Equal Pay Day: Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, arbeiten also bis zum 18. März unbezahlt. Dagegen protestieren wir, denn obwohl wir in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht und 70 Jahre Gleichstellung im Grundgesetz feiern, sind wir von einer Gleichstellung zwischen den Geschlechtern angesichts der ungleichen Bezahlung und großer weiblicher Altersarmut weit entfernt. Damit wir auf diese und andere Missstände aufmerksam machen können, müssen wir sichtbar und laut sein. Nicht jede_r kann für sich alleine kämpfen, darum halten wir zusammen, stehen als Gewerkschaftsmitglieder auf und machen bundesweit mit verschiedenen Aktionen auf uns und unsere Themen aufmerksam. Nicht immer sind alle persönlich betroffen aber genau das heißt es sich in der Gewerkschaft aktiv zu beteiligen – Solidarität zu zeigen und gemeinsam voran zu gehen, denn nur gemeinsam sind wir stark!

Und heute?

Unser Ehrenamt prägte und prägt uns so sehr, dass wir beide nach unserem Studium auch unseren beruflichen Weg bei der Gewerkschaft einschlugen. Caro arbeitet nun beim DGB Bildungswerk NRW in Düsseldorf und Carissa ist Jugendbildungsreferentin der DGB-Jugend Düsseldorf-Bergisch Land.

Carissa Wagner

DGB/Carissa Wagner

Caroline Loop

DGB/Caroline Loop

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