Deutscher Gewerkschaftsbund

Auszeit und Wiedereinstieg: Was das für dich bedeutet

Was bedeutet eine familienbedingte Auszeit vom Beruf für den weiteren Erwerbs- und Lebensverlauf und die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen? Wie gestalten sich diese Phasen für Frauen in Deutschland? Lassen sich Muster erkennen und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für uns Frauen? Hier findest du mehr Informationen dazu.

DGB/Was verdient die Frau?

DGB/Eugenio Marongiu/123rf.com

Schwangerschaft, Erziehungsphase, Pflege – es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre Berufstätigkeit unterbrechen (müssen). Insbesondere Frauen haben oft keine andere Wahl. Gesetzliche Rahmenbedingungen und immer noch fest im Bewusstsein und in der Gesellschaft verankerte traditionelle Rollenbilder benachteiligen Frauen vor allem in finanzieller Hinsicht: Da Frauen durchschnittlich schlechter beziehungsweise weniger verdienen als Männer scheint es für viele Paare nur logisch, dass die Frau eher ihre Erwerbstätigkeit unterbricht als der besserverdienende Mann (Pimminger 2012, BMFSFJ 2011). Bei Männern hingegen ist der Anteil mit familienbedingter Auszeit beispielsweise so gering, dass er für die Gleichstellungsstudie des BMFSFJ vernachlässigt wird. Die Situation der Frauen spricht eine ganz andere Sprache, wie die folgenden Daten zeigen:

Unterschiede in neuen und alten Bundesländern

In den dort untersuchten Jahrgängen zwischen 1942 und 1961 kristallisieren sich verschiedene sogenannte Erwerbsmuster heraus, also wie sich Lebensverläufe von Frauen bezüglich ihrer Berufstätigkeit und Familienphasen typischerweise gestalten (siehe Tabelle). Deutliche Unterschiede ergeben sich zwischen den Schemata von Frauen der alten und denen der neuen Bundesländer: Während Frauen in den neuen Bundesländern ihren Beruf durchschnittlich knapp drei Jahre familienbedingt niederlegen (müssen), beläuft sich diese in den alten Bundesländern auf über neun Jahre.

Bis zu 15 Jahre familienbedingte Auszeit

Während Frauen in den neuen Bundesländern maximal 4,5 Jahre aus dem Beruf aussteigen (müssen), liegt die vergleichbare Zahl in den alten Bundesländern bei über 15 Jahren. Im Osten Deutschlands trifft dies zumeist auf Frauen der jüngeren Generationen zu, im Westen eher auf ältere. Ähnlich unterschiedlich gestalten sich die Ziffern derjenigen Frauen, die in Vollzeit (wieder) in das Berufsleben einsteigen: In den neuen Bundesländern etwa jede zweite Frau, wogegen dies in den alten Bundesländern nur auf etwa jede zehnte Frau zutrifft.

Familienbedingte Nichterwerbstätigkeit von Frauen (in Anteilen und Auszeitjahren)
  West Ost

 Langzeiterziehende

42%

durchschnittlich ca. 15 Jahre

--
Teilzeit(wieder)einsteiger_innen

 20%

durchschnittlich ca. 5 Jahre

 5%

durchschnittlich 3 Jahre

Vollzeit(wieder)einsteiger_innen

 13%

durchschnittlich ca. 2 Jahre

 53%

durchschnittlich ca. 1 Jahr

Spät(wieder)einsteiger_innen

 20%

durchschnittlich ca. 7 Jahre

 42%

durchschnittlich ca. 5 Jahre

(Wieder)Einsteiger_innen auf geringfügiger Basis

 9%

durchschnittlich ca. 4 Jahre

--

 Quelle: Pimminger 2012, eigene Darstellung

Und in Zukunft?

Über die letzten fünfzig Jahre haben sich alte und neue Bundesländer bezüglich der familienbedingten Auszeit und deren Auswirkungen auf das Erwerbsleben von Frauen einander angenähert. Dementsprechend nimmt die Zahl der Langzeiterziehenden in den alten Bundesländern ab, während in den neuen Bundesländern immer weniger Frauen in Vollzeit (wieder)einsteigen. Darüber hinaus verlängert sich die Auszeit von Frauen in den neuen Bundesländern, in den alten wird dafür der (Wieder-)Einstieg über Teilzeit oder geringfügige Beschäftigung immer bedeutsamer – in Ostdeutschland ist Teilzeit für Frauen jedoch kaum relevant.

Teilzeit und geringfügige Beschäftigung – gelungener (Wieder-)Einstieg?

Vor einer familienbedingten Auszeit sind die meisten Frauen in Vollzeit beschäftigt. Die beschriebenen Erwerbsmuster von Frauen entstehen erst mit der ersten kinderbedingten Unterbrechung der Berufstätigkeit und erweisen sich als starr, da Frauen kaum in ein anderes Muster wechseln (können). Frauen sind also durch eine familienbedingte Auszeit beruflich stark benachteiligt und haben es sehr schwer, sich aus der daraus resultierenden Abhängigkeit zu befreien. Teilzeit- oder geringfügige Beschäftigungen können selten Hilfestellung leisten, da Leistungen immer noch in männlicher Unternehmenskultur bemessen werden: Hohe Präsenzzeiten, Überstunden, Weiterbildungen in Vollzeit und unflexible Arbeitszeitgestaltung stellen Faktoren dar, die mit Kompetenz und Leistungsvermögen assoziiert werden und die sich für Frauen aufgrund zum Beispiel tradierter Rollenbilder oder steuerlicher Rahmenbedingungen selten vereinbaren lassen. Auch ein beruflicher Aufstieg ist selten in Teilzeit möglich. Es wird also deutlich, dass ein Wiedereinstieg in geringfügiger Beschäftigung oder Teilzeit in den meisten Fällen mit einer intensivierten wirtschaftlichen Abhängigkeit von Lebenspartner_innen einhergeht.

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