Deutscher Gewerkschaftsbund

Die Hälfte vom Kuchen? Steuern und Einkommen von Frauen und Männern

Was verdienen Frauen verglichen mit Männern in Deutschland? Eine Studie hat erstmals Gesamteinkommen und die dazugehörigen Steuerzahlungen von Frauen und Männern untersucht. Die überraschenden Ergebnisse finden sich hier:

DGB/Was verdient die Frau?

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Die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern beträgt in Deutschland 22 Prozent. Hierbei werden die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne der Geschlechter miteinander verglichen und somit untersucht, wie hoch der Unterschied zwischen Frauen und Männern im Lohn pro Stunde vor Steuerabzug ist.

Wie es um die Gesamteinkommen und –steuerbelastungen von jeweils Frauen und Männern bestellt ist, untersucht eine aktuelle Studie (Bach/DIW 2014). Entgegen dem bekannten Gender Pay Gap (Statistisches Bundesamt 2014) ergeben sich hier keine Werte des Stundenlohns, sondern Betrachtungen der Gesamteinkünfte.

Was verdient die Frau? Die Hälfte?!

Pro Kopf verdienen Frauen durchschnittlich mit 49 Prozent nicht einmal die Hälfte vom Einkommen der Männer (DIW 2014). Betrachtet man die Verteilung nach Einkommensklassen, wird auch deutlich, woher dieses Defizit rührt: Bis zu einem Jahreseinkommen von 25.000 Euro führen Frauen die Statistik an – dann übernehmen die Männer das Ruder. Ab einem Einkommen von 40.000 Euro pro Jahr sind Männer zu zwei Dritteln vertreten, ab 75.000 Euro kommen auf vier Männer eine Frau mit einem derartigen Einkommen.

Frauen erwirtschaften demnach wesentlich häufiger ein niedriges bis sehr niedriges Einkommen als Männer. Umgekehrt beziehen erheblich mehr Männer ein hohes bis sehr hohes Einkommen als Frauen.

Hohes Einkommen = hohe Steuerbelastung?

Richtig! Allerdings nur bedingt...

Auf Frauen entfallen 40 Prozent der Einkommenssteuerlast. Das scheint vorerst fair, wenn nicht sogar ausgesprochen günstig für Frauen. Unter Berücksichtigung, dass Frauen nur rund die Hälfte des Gesamteinkommens und somit wesentlich weniger verdienen als Männer und sich hauptsächlich in den niedrigen Einkommensklassen wiederfinden, würde man allerdings einen wesentlich niedrigeren Anteil an Steuerzahlungen vermuten.

Die durchschnittliche Steuerbelastung von Frauen liegt jedoch bei 84 Prozent. Grund hierfür ist wohl das Ehegattensplitting. Bis in die hohen Einkommensklassen zahlen Frauen wesentlich mehr Steuern als ihre vergleichbaren männlichen Kollegen.

Faire Verteilung?

Frauen verdienen wesentlich weniger, tragen aber durchschnittlich die weitaus höhere Steuerlast. Vor allem bei verheirateten Frauen ist dies die Regel.

Das im Steuersystem verankerte Ehegattensplitting führt in Folge gerade für Frauen mit eher niedrigen Einkommen – also hauptsächlich Ehefrauen mit Kindern – zu hohen finanziellen Belastungen. Ein Effekt, der den geringen Erwerbsumfang von verheirateten Frauen erklären kann.

Um die wirtschaftliche Unabhängigkeit auch von verheirateten Frauen zu gewährleisten, lohnt es sich also steuerrechtliche Aspekte wie das Ehegattensplitting zu überdenken.

 

Ehegattensplitting

Sind Paare verheiratet, können sie entscheiden, ob beide in der gleichen Lohnsteuerklasse eingruppiert werden oder ob eine_r einen sehr hohen Lohnsteueranteil zahlt, der_die andere dafür einen sehr niedrigen Betrag an den Fiskus abführen muss – das sogenannte Ehegattensplitting. Oft entscheiden sich Ehepaare dafür und wählen die ungünstige Lohnsteuerklasse für die Person mit dem niedrigeren Einkommen – zumeist trifft dies auf die Frau zu, da sie bekanntlich das durchschnittlich niedrigere Gehalt hat.

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