Deutscher Gewerkschaftsbund

Die 10 unattraktivsten Ausbildungen & die Gründe dafür

Mehr und mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Dabei stechen 10 Branchen hervor, an denen künftige Auszubildende scheinbar kein (großes) Interesse haben. Warum? In welchen Ausbildungsberufen dies besonders auffällig ist, wo die Gründe dafür liegen und wie es hier für junge Frauen aussieht - der DGB ist der Problematik nachgegangen.

Hände formen Brötchen in Bäckerei

DGB/Racorn/123rf.com

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze steigt - zuletzt um rund 10 Prozent, so die jüngsten Zahlen einer DGB-Expertise. Etwa 40.000 Stellen blieben ohne Auszubildende, obwohl ca. doppelt so viele junge Menschen einen Ausbildungsplatz suchen. Warum bleiben Stellen frei, obwohl es Ausbildungsinteressierte gibt?

Längst nicht alle Branchen kämpfen mit Unterbesetzung. Doch einige, vor allem aus der Gastronomie, Hotellerie und dem Handwerk fallen seit einiger Zeit durch ihre konstanten Probleme auf, Auszubildende zu finden.

In einer Expertise des DGB (April 2016) werden die Ausbildungsberufe genauer angeschaut: Wie hoch ist die Abbrecherquote? Wie hoch ist die Misserfolgsquote bei den Prüfungen? Wie schneiden die Berufe bei den Befragungen von Auszubildenden im Ausbildungsreport der DGB-Jugend ab?

Berufe mit einem hohen Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen am betrieblichen Gesamtangebot

DURCHSCHNITT

7,5 %

Berufsbezeichnung

unbesetzte Ausbildungsplätze

Restaurantfachkraft

35,2 %

Fleischer_in

35,1 %

Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk

33,0 %

Klempner_in

30,6 %

Fachkraft für Systemgastronomie

29,8 %

Bäcker_in

27,2 %

Gerüstbauer_in

22,0 %

Tierwirt_in

21,3 %

Gebäudereiniger_in

20,9 %

Köch_in

20,4 %

 Der DGB schreibt zusätzlich:

  • Liegt die durchschnittliche Abbrecherquote bei 24,6 Prozent, befindet sie sich bei diesen 10 Berufen in einer Spanne von 35 bis 51 Prozent. Jede zweite Restaurantfachkraft bricht ihre Ausbildung vorzeitig ab!
  • Halten die Azubis ihre Ausbildung in diesen Berufen durch, ist die Prüfung die nächste hohe Hürde. Fallen im Durchschnitt nur 7,6 Prozent der Azubis bei der Prüfung durch, liegt diese Quote in diesen Berufen vielfach doppelt so hoch (z. B. Gebäudeereiniger_in bei 20,6 Prozent).
  • Im Ausbildungsreport befragt die DGB-Jugend jährlich die Azubis nach ihrer Zufriedenheit mit der Qualität der Ausbildung. Hier waren in den vergangenen Jahren mit Fachkraft im Lebensmittelhandwerk, Köch_in und (bis 2012) auch die Restaurantfachkraft Teil der Befragung. Auch hier landeten die drei Berufe im Ausbildungsreport seit Jahren konstant und konsequent am unteren Ende der Skala.

Wo liegen also die Gründe und was muss dagegen getan werden?

„Der Azubi-Mangel in einigen Branchen ist hausgemacht. Unternehmen, die junge Menschen als billige Arbeitskräfte ausnutzen, dürfen sich nicht wundern, wenn sich niemand mehr bewirbt." - so die stellvertretende Vorsitzende des DGB, Elke Hannack. Oft berichten junge Auszubildende davon, dass sie Aufgaben übernehmen, die nicht im Ausbildungsumfang enthalten sind. Machen solch schlechte Erfahrungen die Runde, ist es nicht verwunderlich, dass potenziell interessierte Jugendliche lieber einen anderen Ausbildungsplatz oder -beruf wählen.

Denn: "Vielmehr muss die Ausbildung in den Betrieben besser gemacht werden, sonst machen die jungen Menschen weiterhin zurecht einen Bogen um diese Berufe. Wenn Betriebe attraktiv sein wollen, müssen sie ihre Auszubildenden besser bezahlen, die Qualität der Ausbildung verbessern, mehr Auszubildende übernehmen und die Ausbildungsbedingungen erheblich verbessern.“ Die Bundesregierung müsse jetzt handeln, so Hannack und eine Qualifizierung des betrieblichen Ausbilder verbindlich vorschreiben.

Gibt es bei Azubis überhaupt Unterschiede zwischen Frauen und Männern?

Ja! Denn Bildungsgrad und beruflicher Erfolg klaffen weit auseinander: „Junge Frauen haben in aller Regel bessere Schulabschlüsse, aber ihr Bildungsvorsprung geht schnell verloren, wenn es um Beruf und Karriere geht. Geschlechtsstereotype beeinflussen Berufswahl und Ausbildungswege. Schon in der Berufsausbildung zeichnet sich eine Lücke bei der Vergütung ab, wenn es um typische Frauen- oder Männerberufe geht. Die ‚Bildungsexpansion‘ junger Frauen wird nicht entsprechend in Ausbildungs- und Arbeitskarrieren umgesetzt. In der Berufsorientierung müssen Rollenklischees aufgebrochen und die gesamten Talente der jungen Frauen gefördert werden.“

Einen Anfang bietet hier der Girls' Day - der Tag, an dem Schüler_innen eher untypische Berufsbilder in den Betrieben und Verwaltungsstellen kennenlernen können. Du spielst mit dem Gedanken an einen Beruf in Mathe, Naturwissenschaften, etwas Technischem oder willst Ingenieurin werden? Guck mal unter MINT!

Mehr Infos zu Ausbildungen hier entlang!                      

 

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