Deutscher Gewerkschaftsbund

Das Vorstellungsgespräch: 4 Fragen, auf die du die Antwort kennen solltest (und andere hilfreiche Tipps)

Aufregung, Nervosität, unangenehme Fragen - das Vorstellungsgespräch stellt meist eine Ausnahmesituation dar. Ziel ist es, sich am besten zu präsentieren, um dann den Traumjob zu ergattern. Doch was, wenn dein Gegenüber sehr persönliche Fragen stellt? Ist das noch erlaubt?

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Erste Etappe: Geschafft!

Deine Bewerbungsunterlagen haben überzeugt und die Einladung zum Vorstellungsgespräch steht - Gratulation! Denn Unternehmen und Personaler_innen kostet ein Termin viel wertvolle Zeit - und du bist sie ihnen wert.

Nun gilt es zu überzeugen und zwar auf professioneller wie auf persönlicher Ebene. Oft zählen nicht nur Qualifikationen und gute Zeugnisse, sondern auch Sympathie, Teamgeist und ungeschriebene Codes: Ein fester Händedruck, angemessene Kleidung und authentisches Auftreten sind für ein erfolgreiches Gespräch unerlässlich. Doch nicht nur du musst dich hier beweisen und von deiner besten Seite zeigen - dein Gegenüber genauso!

Viele Personalverantwortliche stehen unter Druck, in sehr kurzer Zeit geeignete Kandidat_innen vorzuweisen und überschreiten dadurch womöglich Grenzen, was ihr Frageverhalten angeht.

Wir haben deshalb die Fragen und Themenbereiche zusammengestellt, die im Vorstellungsgespräch absolut tabu sind.

Unzulässige bzw. eingeschränkt zulässige Fragen im Bewerbungsgespräch:

1)      Fragen nach der Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft, Partei oder Religionsgemeinschaft

 Alle Fragen, die inhaltlich nichts mit der Stelle zu tun haben, musst du nicht beantworten. Beispielsweise bei gewerkschafts-, parteinahen bzw. religiösen Stiftungen oder Verbänden kann die Frage nach einer bestimmten politischen oder religiösen Grundhaltung jedoch erlaubt sein, wenn sie für die Tätigkeit relevant ist.

 

2)      Fragen zu Schwangerschaft und Familienplanung

 Wirst du im Gespräch gefragt, ob du schwanger bist, dann musst du diese Frage nicht beantworten und darfst sogar lügen. Sollte es sich jedoch um einen Job handeln, in dem Schwangere nicht oder nur bedingt eingesetzt werden dürfen oder gewissen Gefahren ausgesetzt sind, z. B. im Labor, dann musst du die Frage wahrheitsgemäß beantworten, sonst kann der Arbeitsvertrag angefochten werden.

Auch Fragen zur Familienplanung sind unzulässig und müssen nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden.

 

3)      Fragen zum Privatleben, Sexualität, Schulden oder Vorstrafen

 Privates ist und bleibt privat! Du musst bezüglich deiner Sexualität oder deines Privatlebens keine Fragen beantworten! Auch Fragen zu Schulden oder Vorstrafen musst du nur wahrheitsgemäß beantworten, wenn diese für deinen Beruf relevant sind, beispielsweise bei Bankangestellten, Polizist_innen, Erzieher_innen.

 

4)      Fragen zu deiner Gesundheit

 Auch Fragen nach deinem Gesundheitszustand berühren deine Persönlichkeitsrechte. Diese sind auch dann nur zulässig, wenn sie für die Ausübung deiner Tätigkeit von hoher Relevanz sind. So kann es beispielsweise zulässig sein, nach einer HIV-Infektion oder anderen ansteckenden Krankheiten zu fragen, wenn das Ansteckungsrisiko für Kolleg_innen oder Patient_innen sehr hoch ist. Ähnlich verhält es sich mit Fragen zu Behinderungen.

 

Was kann ich tun, wenn ich eine unzulässige Frage gestellt bekomme?

Du hast drei Optionen, mit solchen Fragen umzugehen:

  • „schweigen“: Du kannst im Gespräch schlicht auf die Unzulässigkeit der Frage verweisen. Dies könnte allerdings zu schlechter Stimmung bei den Personalverantwortlichen führen und den weiteren Gesprächsverlauf negativ beeinflussen.
  • „lügen“: Wenn du eine unzulässige Frage mit einer Lüge beantwortest, dann musst du keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen fürchten. Die Lüge sollte natürlich möglichst glaubhaft wirken. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn strittig ist, ob die Frage zulässig ist oder nicht, beispielsweise in Sonderfällen. Hier kann eine Lüge zur fristlosen Kündigung oder zur Anfechtung des Arbeitsvertrags führen.
  • „die Wahrheit sagen“: Du kannst unzulässige Fragen auch wahrheitsgemäß beantworten. Dies könnte sich allerdings auch negativ auf die Entscheidung auswirken. Manche Dinge, wie die Zugehörigkeit zu einer Religion lassen sich ohnehin nur schwer vor dem Arbeitsgeber verbergen, da dieses Merkmal oft zur Lohnabrechnung verwendet wird.

Viele Personaler_innen wollen dich mit unzulässigen Fragen testen. Du solltest deshalb zu allererst ruhig und freundlich bleiben. Wenn die Frage nach deinem Privatleben jedoch ernst ist, dann kannst du dich auch fragen, ob du für diesen Arbeitgeber arbeiten willst.

Weitere Informationen:

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