Deutscher Gewerkschaftsbund

Was Leiharbeit und Zeitarbeit für dich bedeutet

Leiharbeit ist für viele Frauen alltägliche Praxis: Etwa ein Drittel aller Beschäftigten in Zeitarbeit sind Frauen – es betrifft also rund 300.000 Frauen in Deutschland. Und wenn nicht momentan, wer weiß? Der Trend geht zu immer mehr Leiharbeit. Es schadet also nicht, zu wissen, was es mit Leih- und Zeitarbeit auf sich hat! Hier die wichtigsten Fakten:

Schatten von Menschen auf der Straße

DGB/Ivan Stevanovic/123rf.com

Was heißt Leiharbeit und Zeitarbeit?

Leiharbeit und Zeitarbeit bezeichnen dieselbe Form von Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt. Du hast zwar einen Arbeitsvertrag mit Arbeitgeber A (Verleiher genannt), tätig wirst du allerdings bei Arbeitgeber B, dem sogenannten Entleiher.

Bezahlt wirst du von Arbeitgeber A, deinem Verleiher. Dieser wiederum hat einen Vertrag mit B, dem Entleiher, dass er B deine Arbeitskraft ausleiht und im Gegenzug dafür von B bezahlt wird. Dein Verleiher bekommt natürlich mehr vom Entleiher, als dir letztendlich ausbezahlt wird, um an dieser Beschäftigungsform, der Leiharbeit, zu verdienen.

Du wiederum bist durch den Vertrag an A gebunden, deinen Verleiher. Alles, was also Urlaubsanspruch, Vergütung, Regelungenn im Krankheitsfall, Kündigungsfristen etc. angeht, regelt der Arbeitsvertrag mit deinem Verleiher. Dein Entleiher, Arbeitgeber B, verfügt durch die Leiharbeit über das sogenannte Weisungsrecht, d.h. er bestimmt deinen Aufgabenbereich an der Arbeitsstelle.

Vereinfacht kann man sich das ungefähr so vorstellen:

Wie Leiharbeit bzw. Zeitarbeit funktioniert Was verdient die Frau?

Risiken

Nach europäischer Richtlinie müssen die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen von Leiharbeiter_innen denen von Festangestellten wesentlich entsprechen: „equal pay“ und „equal treatment“. In dieser Richtlinie findet sich jedoch auch eine Öffnungsklausel. Diese erlaubt Abweichungen von equal pay und equal treatment im Rahmen von Tarifverträgen, auch wenn sie Leiharbeitnehmer_innen schädigt oder benachteiligt. Leider ist dies nach deutschem Recht möglich und die Arbeitgeber machen von dieser Möglichkeit rege Gebrauch und inzwischen ist die Ausnahme bedauernswerter Weise zum Regelfall geworden.

Darüber hinaus ist die Regelung weggefallen, wie lange eine Person als Leiharbeitnehmer_in bei Betrieb X arbeiten darf. Das heißt, dass du womöglich dauerhaft in einem Betrieb arbeitest, aber dennoch als Leiharbeitnehmer_in gehandelt wirst.

 

Allgemeine Richtlinien

In der europäischen Leiharbeitsrichtline (Artikel 5 Abs. 1 Unterabs. 1 ) ist der Grundsatz festgeschrieben, dass die wesentlichen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der Leiharbeitnehmer_innen während der Dauer ihrer Überlassung an einen Entleiher mindestens denjenigen entsprechen müssen, die für sie gelten würden, wenn sie vom Entleiher unmittelbar für den gleichen Arbeitsplatz eingestellt worden wären – das so genannte equal pay und equal treatment (§ 9 Nr. 2 und Nr. 2a AÜG). In der Leiharbeitsrichtlinie enthalten ist jedoch eine Öffnungsklausel (Artikel 5 Abs. 3), die Abweichungen vom Gleichbehandlungsgrundsatz zulasten der Leiharbeitnehmer in Tarifverträgen zulässt. Dies ist nach deutschem Recht (§ 9 Nr. 2 AÜG) möglich und hat dazu geführt, dass in Deutschland die Ausnahme zur Regel geworden ist. (mit Infos von Wikipedia)

Die Sache mit dem Geld

Die gleiche Arbeit erledigen wie die Kolleg_innen, aber weniger verdienen und weniger Urlaubsanspruch? Klingt unfair, ist aber eben leider traurige Realität in der Leiharbeitswelt. Leiharbeiter_innen verdienen im Schnitt ein Drittel weniger als ihre festangestellten Kolleg_innen, in besonders stark von Leiharbeit betroffenen Branchen – den Fertigungsberufen –  bis zu 46%. In diesen Berufen, z. B. in der Metall- und Elektrobranche, sind übrigens die Hälfte aller Zeitarbeitnehmer_innen tätig. In den weiblich dominierten Branchen Gesundheit, Soziales, Erziehung verdienen Zeitarbeiter_innen im Schnitt 1878 € (BA, siehe unten). Zum Vergleich: Normalangestellte erhalten ein Durchschnittsgehalt von 2.911 € – über 1000€ mehr!

Was heißt das für mich?

Leih- und Zeitarbeit zählt zu den sogenannten prekären Beschäftigungsverhältnissen. Denn als Zeitarbeiter_in kannst du kurzzeitig eingesetzt werden und hast keinen Anspruch auf eine längerfristige Anstellung. Du kannst dementsprechend auch nicht bzw. schlecht langfristig planen, da du nicht absehen kannst, wie lange du bezahlt wirst. Rund die Hälfte aller Leiharbeitsverhältnisse dauern nur etwa drei Monate – Planbarkeit ist da nicht drin!

Daraus folgt:

Um eine für dich feststehende Zeit zu überbrücken, ist Zeitarbeit womöglich eine gute Lösung. Auf längere Sicht allerdings bietet dir Zeitarbeit wenig Perspektiven, da auch die Brückenfunktion von Zeitarbeit in eine feste Anstellung nicht belegt ist und auch die Einkommensverhältnisse schlechter sind als in der Festanstellung.

So fordern die Gewerkschaften:
 
  • Den Einsatz der Leiharbeiter_innen in einem Betrieb zeitlich zu begrenzen. Es kann nicht hingenommen werden, dass Leiharbeiter_innen dauerhaft und unbefristet in einem Betriebeingesetzt werden.
  • Nach einer bestimmten Dauer der Beschäftigung muss ein gesetzlicher Anspruchauf Festanstellung im Entleihunternehmen entstehen. Dies könnte eine Brücke aus dem Zeitarbeitsunternehmen in die Strukturen des Entleihunternehmens hinsichtlich Arbeitsentgelt und –bedingungen bauen. Allerdings besteht das Risiko, dass die Entleihbetriebe kurz vor Eintritt des Anspruchs den Zeitarbeitnehmer_innen abberufen und einen anderen Arbeitnehmer_innen entsenden. Dennoch werden die Gewerkschaften an dieser Forderung festhalten, vor allem vor dem Hintergrund, dass dadurch der dauerhafte Verleih aus eigenen Tochterunternehmen unterbunden werden kann.
  • Leiharbeitsbeschäftigte sollen bevorzugt berücksichtigt werden bei der Besetzung freier Arbeitsplätze im Entleihbetrieb.
  • Die Verleihunternehmen müssen mehr tun für die Weiterbildung der Beschäftigten. Die Einführung eines Weiterbildungsfonds sollte gesetzlich geregelt werden und sämtliche Zeitarbeitsunternehmen einbeziehen.

 

Weitere Informationen:

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