Deutscher Gewerkschaftsbund

Über das Projekt oder warum uns wirtschaftliche Unabhängigkeit so wichtig ist

"Wirtschaftliche Unabhängigkeit" ist kein Luxusproblem. Im Gegenteil: Auf wirtschaftlicher Unabhängigkeit gründet nicht nur unser individuelles Glück, sondern auch unser Sozialsystem wird dadurch gestärkt. Warum wir uns im Projekt mit dem Thema über den gesamten Lebensverlauf beschäftigen.

Junge Frau schaut in die Kamera

DGB/Konstantin Sutyagin/123rf.com

Was wir (jungen) Frauen wollen

Gerade junge Frauen wollen: Auf eigenen Beinen stehen! Die Zeiten, in denen wir einen Ehemann als Altersvorsorge verstanden haben, sind größtenteils gezählt. Auch im Arbeitsleben wollen wir immer mehr unseren eigenen Weg gehen, unsere Karriere selbst bestimmen, auf Augenhöhe mit den Partner/innen stehen.

DGB/Was verdient die Frau?

Wäre da nicht das große Aber

Denn leider funktioniert das bei uns Frauen nicht immer so, wie wir uns das vorstellen...

Ganz konkret: Ein Drittel aller erwerbstätigen Frauen können aus ihrem eigenem Einkommen nicht einmal ihren unmittelbaren Bedarf decken. Für Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Freizeitbeschäftigungen ist nicht genug Geld da.

Zwei Drittel der beschäftigten Frauen verdienen nicht genug, um mit ihrem Einkommen eigene Ansprüche für Phasen der Nichterwerbstätigkeit zu erwerben. Geht es um die langfristige finanzielle Absicherung einer Familie, ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern noch drastischer: Während jeder zweite erwerbstätige Mann den Unterhalt für sich und seinen Nachwuchs erwirtschaften kann, vermag dies nur jede vierte Frau.

Unabhängigkeit auf verschiedenen Lebensebenen

Angesichts der Entwicklungen am Arbeitsmarkt, sich wandelnder Rollenbilder und flüchtiger Haushaltskonstellationen sind diese Befunde erschreckend. Sie illustrieren, warum eine Veränderung der politischen und institutionellen Rahmenbedingungen zugunsten wirtschaftlicher Unabhängigkeit von Frauen unabdingbar ist. Wichtig dabei ist: Eigenständige Existenzsicherung muss unabhängig von verschiedenen Lebens- und Familienmodellen gesichert werden. Denn auch bei Veränderungen der familiären Konstellation, durch z.B. eine Trennung oder eine Schwangerschaft, darf unsere individuelle Existenzsicherung nicht gefährdet sein.

Nur durch eine Erwerbstätigkeit, die finanzielle und langfristige Sicherheit bietet, gelingt es Frauen unabhängig von Partner_innen, Familie und Sozialleistungen ihren Lebensunterhalt zu finanzieren und wirtschaftlich eigenständig zu sein.

Der Lebenslauf zählt

Im Erwerbsleben stoßen Frauen immer wieder auf Hindernisse, die ihnen den Weg zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit verstellen und ihnen noch immer niedrigere Einkommen bescheren als ihren männlichen Mitbewerbern. Häufen sich diese Stolpersteine im Lebenslauf von der Berufswahl über das gesamte Arbeitsleben hinweg, haben wir Frauen uns nicht nur die Füße wund getreten, sondern stehen einem enormen Risiko gegenüber: Der Altersarmut. Gerade deshalb lohnt es sich, einen Blick auf die Fallen des Erwerbslebens zu richten:

Die Ursachen wirtschaftlicher Abhängigkeit

  • Berufswahl: Frauen üben andere Berufe aus als Männer. Der Grundstein für eine eigenständige Existenzsicherung wird bereits mit der Berufswahl gelegt. Junge Frauen orientieren sich an klassischen Frauenberufen, die in einem schulischen Ausbildungssystem eingegliedert sind und geringer vergütet werden.
  • Positionen: Frauen arbeiten in ihren Berufen auf anderen Positionen als ihre männlichen Kollegen und erbringen in ihrem Leben insgesamt ein geringeres Arbeitsvolumen.
  • Erwerbsverlauf: Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufig familienbedingt oder kehren nicht wieder in den Beruf zurück.
  • Branchen: In Folge dieser unterschiedlichen Positionen am Arbeitsmarkt sind Frauen in Branchen überrepräsentiert, die trotz individueller und kollektiver Lohnverhandlungen schlechter bewertet werden und häufig im Niedriglohnsektor zu finden sind.
  • Rollenbilder: Geschlechterstereotype und tradierte Rollenvorstellungen in der Gesellschaft tragen bei zur ungleichen Chancenverteilung zwischen Frauen und Männern über alle Lebensphasen hinweg.

Die Folge des Ursachenbündels: Frauen verdienen fast ein Viertel weniger als Männer und haben damit signifikant schlechtere Chancen, auf dem Arbeitsmarkt ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit langfristig zu sichern.

Darum braucht es die Lebensverlaufsperspektive

Um die langfristigen Auswirkungen von Erwerbsentscheidungen und -arrangements zu erfassen, müssen Erwerbsverhalten und -muster über den gesamten Lebensverlauf hinweg betrachtet werden. Die Lebensverlaufsperspektive bezieht ein Ensemble von Faktoren, die Einfluss auf die unterschiedlichen Phasen im Verlauf eines Lebens haben mit ein. Wir im Projekt legen dabei den besonderen Fokus auf die frühe Phase des Erwerbslebens. Hier werden die Weichen für wirtschaftliche Unabhängigkeit schon gestellt!

DGB/Was verdient die Frau?

Mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit: Wo wir im Projekt ansetzen

Am Beginn des Erwerbslebens stehen in der Regel andere Interessen im Fokus als in der Phase der Erwerbstätigkeit – doch einmal getroffene Entscheidungen haben Folgen. Gerade deshalb setzen wir früh an und beschäftigen uns mit der Berufsorientierung, dem Einstieg in das Arbeitsleben und den ersten Karriereschritten. Dabei beleuchten wir verschiedene Perspektiven, die zu einer langfristigen wirtschaftlichen Unabhängigkeit zusammenspielen müssen:

Welche Informationen brauchen (junge) Frauen, um sich für ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit einsetzen zu können?

Was können Gewerkschaften für junge Frauen tun?

Wie können Interessenvertretungen ihren Kolleg_innen zu mehr wirtschaftlicher Unabhängigkeit verhelfen?

Und: Welche politischen Maßnahmen sind nötig?

Deswegen verzahnen wir in unserem Projekt Politik, Gewerkschaft, Betriebe & Verwaltungen mit den Betroffenen: Jungen Frauen. Für mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen!

Das Projekt bei

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