Deutscher Gewerkschaftsbund

Befristung im Job - was du wissen solltest

In Deutschland liegt bei einem Fünftel aller Beschäftigten unter 30 Jahren nur ein befristeter Arbeitsvertrag in der Schublade. Bis zum Alter von 35 schrumpft dieser Anteil zwar auf 15 Prozent, dennoch prägt diese Form der atypischen und prekären Beschäftigung unsere ersten Erwerbsjahre – und setzt unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit Grenzen! Wie du mit Befristungen umgehen kannst, was du tun kannst und dass du mit dieser Situation nicht allein bist:

Riesenrad

DGB/Yotrak Butda/123rf.com

Was bedeutet „Befristung“?

Dein Arbeitsverhältnis und deine Anstellung sind befristet, wenn in deinem Arbeitsvertrag ein „Austrittsdatum“ oder Ende der Beschäftigung mit einem Datum angegeben ist. Darüber hinaus kann dein Vertrag zweckgebunden befristet sein, wie z. B. als Elternzeit- oder Krankheitsvertretung. Warum eine Stelle begründet nur befristet besetzt werden kann, steht im Teilzeit- und Befristungsgesetz (kurz: TzBfG).

Wenn deine Befristung kalendarisch beschrieben ist, darf sie insgesamt maximal zwei Jahre andauern und darf in dieser Zeit höchstens drei Mal verlängert werden.

Wer ist betroffen?

Von den Beschäftigten, die jünger als 30 sind, arbeiten 21 Prozent mit einem befristeten Vertrag. Die Altersgruppe von 15 bis 24 Jahre weist hier besonders hohe Anteile an Befristungen auf. Am häufigsten trifft es hier die Frauen: Etwa jeder fünfte Mann und jede vierte Frau dieser Altersgruppe geht einer befristeten Anstellung nach.

Fast jede_r Sechste unter 35 ist auch noch davon betroffen. Ab einem Alter von 35 nimmt der Anteil befristeter Beschäftigter deutlich ab. Zu beachten ist hier, dass dies eine punktuelle Erhebung ist. Beschäftigte verschiedener Altersgruppen wurden zu einem bestimmten Zeitpunkt zu ihren Beschäftigungsverhältnissen befragt. Wie sich Befristungen also im Verlauf des jeweiligen Erwerbsleben gestalten, geben diese Zahlen nicht wider.

Was heißt Befristung für mich im Erwerbsleben?

Grundsätzlich ist dein Risiko arbeitslos zu werden, deutlich höher, wenn dein Arbeitsvertrag automatisch endet, also befristet ist. Zwischen 10 und 15 Prozent der befristet Beschäftigten sind ein Jahr später arbeitslos oder ohne Beschäftigung. Beachte auch, dass sich Befristungen im Arbeitsvertrag auch auf andere Lebensbereiche auswirken können: Bei Wohnungsanmietungen oder Kreditaufnahme schrecken viele Akteur_innen vor befristet beschäftigten Antragsteller_innen zurück.

Zudem deuten Untersuchungen darauf hin, dass befristet Beschäftigte auch niedrigere Löhne aufweisen als Festangestellte. Darüber hinaus sind auch psychische Auswirkungen, die eine unsichere Beschäftigung mit sich bringt, nicht zu unterschätzen. Als befristet Beschäftigte in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu wechseln ist 40 Prozent geringer, als von unbefristetem Vertrag zu unbefristeten Vertrag.

Schwanger und befristet – was tun?

Als Schwangere genießt du besonderen Kündigungsschutz, denn dein Arbeitgeber kann das Arbeitsverhältnis nicht einseitig beenden, weil du Nachwuchs erwartest. Er hat allerdings eine andere Möglichkeit, denn er kann deinen befristeten Vertrag auslaufen lassen. Somit bist du zwar nicht gekündigt, hast aber dennoch keinen Job – und das während der Schwangerschaft. „Befristete Jobs wirken wie die Antibabypille“, so Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig – wo sie Recht hat…

Wenn dein Vertrag während deiner Schwangerschaft ausläuft, solltest du dir erst recht die Frage stellen, ob die Befristung rechtmäßig ist. Einige Eckdaten liefert hier der DGB Rechtsschutz. Verhärtet sich der Verdacht, dass die Befristung nicht rechtmäßig ist, wende dich an deine Gewerkschaft! Diese leistet Rechtsberatung und bietet dir Rechtsschutz und entlastet dich hier enorm. Denn: Du hast nur drei Wochen nach Auslaufdatum die Möglichkeit, gegen die Befristung vorzugehen.

Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte – was können Interessenvertretungen tun?

Als befristet Beschäftigte kannst du dich mit deinen Bedenken an deinen Betriebs- oder Personalrat wenden. Als Interessenvertretung der Beschäftigten haben diese Gremien einige Möglichkeiten bei Befristungen zu handeln:

Überwachungs-/Unterrichtungs- und Informationsrechte

  • Überwachungs- und Informationsrecht gemäß § 80 BetrVG
  • Informationsrecht gemäß § 20 TzBfG
  •  Diskriminierungsverbot, § 4 II TzBfG
  • Benachteiligungsverbot, § 5 TzBfG
  • Informationspflicht, § 18 TzBfG
  • Aus- und Weiterbildung, § 19 TzBfG
  • Grundsätze der Behandlung von Betriebsangehörigen, § 75 BetrVG

Beratungs- und Mitbestimmungsrechte

  • Mitbestimmung bei Einstellungen, § 99 BetrVG
  • Mitbestimmung durch Auswahlrichtlinien, § 95 BetrVG
  • Mitbestimmung bei Personalplanung, § 92 BetrVG
  • Beratung zur Beschäftigungssicherung, § 92a BetrVG
  • Keine Anhörung gemäß § 102 BetrVG

Ähnliche Handlungsfelder können Personalräte bedienen. Auch hier sind z. B. sachgrundlose Befristungen immer häufiger Thema.

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