Deutscher Gewerkschaftsbund

Gender Pension Gap: Denkst Du heute schon an deine Altersvorsorge?

Die Rente oder Pension ist der Spiegel des eigenen Erwerbslebens und soll die Kosten „im Alter“ decken. Doch folgende Erkenntnisse zeigen, dass die Renten vieler Frauen allein nicht ausreichen. Damit du auch nach dem Erwerbsleben deine Existenz eigenständig bestreiten kannst, solltest du schon heute diese Rentenfallen im Blick behalten - und diese 5 Tipps lesen:

Paar Senioren auf Straße

DGB/ Simone M. Neumann

Kurz und knapp: der Gender Pension Gap

Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt der Gender Pension Gap die Lücke zwischen den eigenen Alterssicherungseinkommen von Frauen gegenüber Männern auf. Je größer der Gender Pension Gap, desto niedriger sind die eigenen Alterssicherungseinkommen – sprich: Rente oder Pension -  der Frauen verglichen mit denen der Männer. Als Datengrundlage dienen die Studien zur Alterssicherung in Deutschland (ASID), worin ausschließlich Daten von Menschen im Rentenalter über 65 Jahren einfließen. Hierbei werden Einkünfte aus allen drei Säulen der Alterssicherung betrachtet, also aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge.

Es wird stets die einzelne Person betrachtet und nicht die Haushaltsebene. Dementsprechend lässt der Gender Pension Gap keine Rückschlüsse darauf zu, wie viel Geld Frauen, z. B. durch die Rente ihres Mannes, tatsächlich im Haushalt zur Verfügung stehen. Deutlich wird dadurch, wie wirtschaftlich abhängig Frauen im Rentenalter sind.

Rente oder Pension: Wem steht was zu?

Eine Rente bekommen Arbeitnehmer_innen, die in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, eine Pension bekommen hingegen Beamt_innen, die das Pensionsalter erreicht haben. Die Rente ist abhängig von allen Einkommen, die in den Arbeitsjahren erzielt wurden, die Pension richtet sich nach dem letzten Einkommen.

Wie hoch ist der Gender Pension Gap in Deutschland?

  • 2014 besteht eine Rentenlücke von über 40 Prozent - Männer bekommen durchschnittlich 1037 Euro, Frauen lediglich 618 Euro.

  • 2007 beträgt der Gender Pension Gap in Deutschland rund 60 Prozent: die eigenen Alterssicherungseinkommen bei Männern betragen im Durchschnitt 1595 Euro bei Frauen hingegen 645 Euro.

  • Der Gender Pension Gap ist in den neuen Ländern (37 Prozent) deutlich geringer als in den alten Bundesländern (63 Prozent).

  • Der Gender Pension Gap verringert sich mit der Höhe des Berufsabschlusses.

  • Je jünger die betrachtete Altersgruppe, desto geringer der Gender Pension Gap.

  • Der Gender Pension Gap für Verheiratete mit Kindern liegt über denen für Verheiratete ohne Kinder. Besonders große Unterschiede zeigen sich hier in den alten Bundesländern.

Was sind die Gründe für niedrigere eigene Einkommen von Frauen im Alter?

Die Höhe der gesetzlichen Rente ist eng an das eigene Erwerbsleben geknüpft. Wenn du dieses unterbrichst oder unterbrechen musst, z. B. zur Pflege von Kindern oder Angehörigen, kann dies deine Rente oder Pension schmälern. Durch sogenannte Entgeltpunkte zur Anerkennung von Kindererziehungszeiten gleichen sich Unterbrechungen teilweise wieder aus. Auch niedrigere Wochenarbeitszeiten im Rahmen von Teilzeitbeschäftigungen und niedrigere Stundenlöhne in frauendominierten Branchen, wie dem Sozialen Bereich und dem Dienstleistungssektor verringern die Chancen auf ein existenzsicherndes Rentenniveau.

 

5 Tipps, um auch im Alter wirtschaftlich unabhängig zu sein:

1) Weitestgehend kontinuierliche Beschäftigung in hohem Wochenstundenvolumen über deinen gesamten Lebensverlauf hinweg

Je seltener du deine Erwerbstätigkeit unterbrichst und umso länger du in einem Job arbeitest, der sozialversicherungspflichtig ist, desto besser. Lange Phasen in Minijobs - in welchen eher selten Beiträge zur Rentenversicherung anfallen - oder sehr niedriger Teilzeit gefährden deine Existenzsicherung im Alter.

2) Teilzeitbeschäftigungen möglichst nur kurzzeitig ausüben

Manchmal sind es die Umstände, manchmal das Angebot - Teilzeitarbeit muss nicht per se schlecht für deine Rente sein, sie setzt deine wirtschaftliche Unabhängigkeit jedoch aufs Spiel. Denn auch hier gilt: Je geringer das Einkommen, desto weniger Beiträge musst du leisten, aber auch desto geringer fällt deine Rente aus. Deswegen: Erkundige dich bei deinen Vorgesetzten, ob eine Aufstockung der Stunden möglich ist. Binde hier auch den Betriebsrat mit ein, denn er kann hier sein Mitbestimmungsrecht einsetzen.

3) Beschäftigungen im „Niedriglohnsektor“ haben oft niedrige Renten zur Folge. Deine Gewerkschaft setzt sich mit der Anhebung des Mindestlohns dafür ein, dass eine eigenständige Existenzsicherung auch im „Niedriglohnbereich“ möglich ist. Schon Mitglied?

Als Gewerkschaftsmitglied zeigst du nicht nur Solidarität mit anderen Arbeitnehmer/innen, du setzt dich durch deine Mitgliedschaft schon aktiv für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein. Je mehr wir sind, desto mehr können wir erreichen (Ganz im Sinne: Ein Streichholz kann man brechen, 30 schon wesentlich schwerer)! Du weißt nicht, welche Gewerkschaft für dich die richtige ist? Hier findest du eine Liste der Mitgliedsgewerkschaften.

4) Betreuungsaufgaben innerhalb der Partnerschaft gemeinsam realisieren

Kinder oder Angehörige zu pflegen ist eine große Herausforderung, gerade was die Zeit angeht. Überwiegend sind es die Frauen, die Betreuungs- und Pflegeaufgaben übernehmen und (in dieser Zeit) im Job ausfallen. Und wie schon deutlich wurde - je größer der Ausfall aus der Erwerbstätigkeit, desto mehr Beiträge fehlen in der Rentenversicherung. Darüber hinaus belegen immer mehr Studien: Partnerschaften auf Augenhöhe sind die glücklicheren!

5) Dir Gedanken über deine Vorsorge im Alter machen und dich frühzeitig über Altersvorsorgeoptionen informieren

Es ist traurig, aber wahr: Wir können nicht hunderprozentig sicher sein, wie (hoch) unsere Rente ausfällt. Zwar erhältst du einen gewissen Betrag ausgezahlt, da du Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt hast, aber ob du damit wirtschaftlich unabhängig sein kannst oder ob du zusätzlich aufstocken musst. Die einzige Sicherheit bieten dir folglich eine stringente Erwerbstätigkeit und ein kontinuierlich hohes Arbeitszeitvolumen.

 

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